Accounting und Controlling

CFO-Interview: Welche Kennzahlen die Schindler Gruppe verwendet

13. Januar 2014

Mit Kennzahlen wollen Unternehmen Veränderungen bei der eigenen Leistungserstellung sowie in der Umwelt nach verschiedenen Kriterien möglichst objektiven messen. Welche Kennzahlen dabei relevant sind, ist je nach Unternehmen von vielen Faktoren abhängig. Dennoch gibt es bei der Wahl von Kennzahlen einige branchenspezifische Gemeinsamkeiten. Zugleich wird von börsenkotierten Unternehmen erwartet, dass sie Methoden und Kennzahlen nach neustem Stand der Forschung anwenden. Erich Ammann, CFO bei der Schindler Gruppe, gibt Auskunft über die verwendeten Kennzahlen und welche Rolle diese im Produktelebenszyklus spielen. Die weltweit operierende Schindler Gruppe (Aktienkurs hier) entwickelt, produziert, montiert und wartet Aufzüge sowie Fahrtreppen und –steige.

Erich Ammann

Welche Kennzahlen sind für die Führung des Unternehmens zentral?

Die Schindler Gruppe wird mit dem Ansatz der Balanced Scorecard geführt. Verschiedene Kenngrössen oder Key Performance Indicators („KPIs“) sind für uns sehr wichtig. Nebst den bekannten KPIs wie Verkaufswachstum und Effizienzverbesserung in der Produktion und in der Feldorganisation gehören auch Kenngrössen für Qualität und Sicherheit sowie der Aufbau und die Schulung von Mitarbeitern und Nachwuchskräften in allen wichtigen Funktionen dazu. Die wichtigsten Kenngrössen in der finanziellen Überwachung der Tochtergesellschaften sind der Umsatz von Produktelinien, der EBIT (Earnings Before Interest and Taxes) und das Umlaufvermögen (NWC - Net Working Capital). Auf Konzern-Stufe sind zusätzlich der Nettogewinn und der operative Cashflow massgebend.

Nach welchen internen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen richten Sie in Ihrem Unternehmen die Investitionsentscheide aus?

Sämtliche grossen Investitionsentscheidungen werden mit dynamischen und statischen Investitionsmodellen beurteilt. Als wichtigste Rendite-Kennzahl verwenden wir dabei die „Internal Rate of Return“ (IRR) mit Berechnung des Net Present Value.

Operativ legen wir ein besonderes Augenmerk darauf, dass die Annahmen (Volumen, variable Stückkosten, Fixkosten, Kalkulationszinssatz) sowie geplanten Einsparungen und Qualitätsverbesserungen robust erarbeitet wurden. Dazu verwenden wir das wichtige Instrument der Sensitivitätsanalyse, um verschiedene Szenarien abzubilden.

Wieso haben Sie diese Kennzahlen als Führungs- und Steuerungsgrössen gewählt?

Schindler deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab: Forschung & Entwicklung, Verkauf der Neuanlage, Fabrikproduktion, Installation und Unterhalt der Anlagen beim Kunden. Der Kreis schliesst sich nach ca. 25 Jahren, wenn die Anlage ersetzt werden muss. Aus diesem Grund müssen wir die Firma mit einer Vielzahl von operativen Kenngrössen entlang der Wertschöpfungskette führen.

Welche volkswirtschaftlichen Indizes berücksichtigen Sie konkret bei Investitionsentscheiden?

Als erste Annäherung für das Marktwachstums pro Land ziehen wir gerne das Segment-Bruttosozialprodukt der jeweiligen Bauindustrie herbei. Diese Kennzahl ist weltweit verfügbar. Wo immer möglich, arbeiten wir mit weiteren detaillierteren Kennzahlen, z.B. Anzahl Baubewilligungen im kommerziellen und privaten Sektor, staatliche Infrastruktur-Investitionen, Stahl und das Produktionsvolumen von Zement in Entwicklungsländern (z.B. China, Indien). Selbstverständlich beobachten wir auch andere wichtige, volkswirtschaftliche Kenngrössen, z.B. Inflation, Zinsraten, Arbeitslosigkeit.

Welche Renditekennzahl ist für Sie relevant (z.B. Roce, Rona, ROI)?

Wie oben ausgeführt, beurteilen wir überjährige Investitionen hauptsächlich mittels der Net Present Value-Methode.

Nach welchem Konzept beurteilen Sie die Werthaltigkeit von Investitionen und warum?

Das grundsätzliche Prinzip ist, dass eine geplante Investitionsrendite auch unter erschwerten, wirtschaftlichen Bedingungen erreicht werden kann, welche wir mit verschiedenen Sensitivitäten darstellen.

Nebst der Beurteilung der Planzahlen ist es schliesslich entscheidend, die Investitionen und die geplanten Kosteneinsparungen gründlich zu überwachen und sicherzustellen, dass die anvisierten Ziele realisiert werden. Dazu werden auch regelmässig externe Benchmarks und Kostenvergleiche gemacht.

Wir danken Erich Ammann für die Beantwortung der Fragen.

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