HR und Leadership

Laufbahnübergänge – Risiko oder Chance? Teil 3/3

13. Dezember 2013

Im zweiten Teil (Laufbahnübergänge – Risiko oder Chance? Teil 2/3) habe ich das Instrument „Arbeitsheft – mein Laufbahnübergang“ eingeführt sowie 4 Punkte dargelegt, deren Einbezug einen wesentlichen Beitrag zum Meistern einer Übergangssituation leisten können. Im dritten und letzten Teil führe ich weitere 3 Punkte ein, die es zu berücksichtigen gilt. Die aufgeführten Punkte sind nicht als abschliessend zu verstehen, sondern können in einem Coaching laufend erweitert werden.

5. Netzwerkarbeit

Die Insead-Professorin Herminia Ibarra hat ManagerInnen in ihrer beruflichen Neuorientierung wissenschaftlich begleitet und basierend auf den Erkenntnissen ein Konzept zur Karrieregestaltung entwickelt. Sie hebt die Bedeutung von Netzwerken in der Karriereentwicklung hervor, wenn sie sagt: „What you know, is who you know!“ In ihren Untersuchungen hat sie folgendes festgestellt:

  • die Bedeutung von Netzwerken wird unterschätzt
  • der Fokus wird noch zu sehr auf die operative Arbeit gelegt
  • die Weiterqualifizierung oft vernachlässigt

Hier geht es darum, mit den KlientInnen ihre persönliche Netzwerklandschaft zu erstellen. In diesem Prozess werden die vorhandenen Kontakte in ihrer Qualität und Relevanz sichtbar gemacht und evaluiert. Anschliessend werden Personen identifiziert, die in der Übergangsphase eine wertvolle Ressource sein könnten, z.B. um

  • Informationen zu bekommen
  • sich beraten zu lassen
  • ein Feedback einzuholen
  • weitere Kontakte zu knüpfen

6. Schriftliche Umsetzungsplanung

Durch das schriftliche Festhalten der einzelnen Schritte in der Umsetzungsplanung entstehen eine grössere Klarheit sowie eine stärkere Verpflichtung gegenüber dem persönlichen Vorgehensplan. Folgende Schritte gilt es festzuhalten.
Der/die KlientIn:

1. .. bestimmt das individuelle Karriereziel basierend auf einer fundierten Selbstkenntnis und einer Einschätzung seiner Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt
2. definiert kleine Zwischenschritte oder Zwischenziele, die ihm für die Erreichung des übergeordneten Karriereziels dienen
3. reflektiert alternative Wege wie das Karriereziel erreicht werden kann: Welche anderen Zwischenziele würden ebenfalls zum Karriereziel führen?
4. bestimmt vorhandene Ressourcen, die für die Zielerreichung beigezogen werden können; z.B.

  • Angebote der Unternehmung
  • Vorgesetzte, Mitarbeitende
  • Familie, Freunde, weitere Personen aus dem sozialen Netzwerk
  • finanzielle Ressourcen
  • persönliche Einstellungen
  • Fach- und Prozesswissen, persönliche Kompetenzen
5. identifiziert mögliche Hindernisse, welche die Zielerreichung verhindern oder erschweren könnten.

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Für jedes Hindernis werden Strategien erarbeitet wie diese Hindernisse vermieden, umgangen oder abgeschwächt werden könnten.
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7. Lernen nach Modellen

Der Karriereforscher Andreas Hirschi ist überzeugt, dass sich die Wirksamkeit von Laufbahncoaching erhöht, wenn Coachees das persönliche Laufbahnverhalten anhand von Beispielen reflektieren können; d.h. von Personen lernen, die ähnliche Herausforderungen gemeistert haben. Aus diesem Grund ist es hilfreich, Porträts von Berufstätigen im Arbeitsheft zu integrieren, die bereits erfolgreich einen Laufbahnübergang geschafft haben. Am idealsten mit Angabe der Kontaktnummer dieser Personen, damit der Coachee die Möglichkeit hat, deren Wissen und Erfahrungswerte direkt einzuholen.

Fazit

Basierend auf den Erkenntnissen der MAS-Arbeit kann folgendes Fazit gezogen werden:
Wenn Firmen und Betroffene aktiver sind in der Gestaltung der Laufbahnübergänge, werden diese zu einer Chance und das Risiko bei der Bewältigung zu scheitern, wird minimiert.
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Grundlage dieses Artikels ist die Masterarbeit «Laufbahnübergänge bewältigen – Risiko oder Chance?» Eine explorative Studie zum Bewältigungsgeschehen von Berufstätigen in Laufbahnübergängen und Folgerungen für die Laufbahnberatung – am Beispiel der Schweizerischen Post. Die Arbeit wurde im Rahmen des Studiengangs Master of Advanced Studies Kalaidos FH in Human Ressource Management erbracht und erhielt die Auszeichnung für die beste Arbeit im Studiengang.

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