HR und Leadership

360° Feedback: die verschiedenen Seiten eines vielseitigen Instrumentes Teil 2/2

04. November 2013

Wie bei jedem Instrument hängt der Erfolg vom richtigen Umgang damit ab. Für welche Fragestellung wird es eingesetzt? Stimmt die Qualität? Gibt es Follow-up Aktivitäten? Das sind die Erfolgsfaktoren:

1. Einsatz

360° Feedback ist kein Allzweckinstrument, das für jegliche Fragestellung eingesetzt werden sollte. Für Fragestellungen mit Entwicklungsfokus eignet sich das Instrument besonders, vor allem dann, wenn es in ein Entwicklungsprogramm eingebettet wird. Bei einem solchen Einsatz kann es sogar Vorteile gegenüber den gängigen psychometrischen Verfahren haben, da es massgeschneidert für die Zielgruppen und deren Themenbereiche entwickelt wird.
Keinesfalls darf das Instrument als Plattform für das Überbringen einer schlechten Botschaft missbraucht werden, weil z.B. bislang vermieden worden ist, ein direktes kritisches Feedback zu geben. Wenn in einer Unternehmung keine Kultur der Offenheit und der Rückmeldung besteht, hat ein 360° Feedback ohnehin einen schweren Stand.Der Zeitpunkt der Durchführung ist sorgfältig festzulegen und es sollte nicht in einer Phase durchgeführt werden, in welcher die Feedbackgebenden zeitlich stark beansprucht oder nicht verfügbar (z.B. Jahresendprozesse) sind.
360° Feedbacks können für Standortbestimmungen, Entwicklungsprogramme und bei der Einführung von neuen Kulturwerten eingesetzt werden, um nur einige Einsatzgebiete zu nennen. Durch den Multiplikationsfaktor (ein häufig genannter Kritikpunkt, da verschiedene Personen in den Prozess einbezogen sind und somit Ressourcen gebunden werden) wird ein positiver Nebeneffekt erzielt, da mehrere Personen für gewünschte Verhaltensweisen sensibilisiert werden, auch wenn sie nicht im Zentrum stehen als Feedbackempfangender.
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2. Qualität der Feedbacks

Die Qualität des Ergebnisses hängt von den Feedbackgebenden ab. Diese müssen ausgewogen ausgewählt werden, um allfällige blinde Flecken aufzeigen zu können. Kritische Stimmen sollten durchaus miteinbezogen werden. Die Feedbackgebenden sollten den Feedbackempfangenden über einen längeren Beobachtungszeitrahmen kennen, um ein fundiertes Urteil abgeben zu können. Der Kreis der Feedbackgebenden sollte möglichst umfassend sein, nicht zuletzt auch um den Aspekt der Anonymität und ein objektiveres Bild zu gewährleisten.
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3. Folgemassnahmen

Mit der Befragung und Konsolidierung der Resultate ist der Prozess nicht abgeschlossen. Ein Feedbackgespräch mit einem neutralen (also kein Feedbackgebender) und erfahrenen Feedbackcoach kann helfen, das Feedback zu verstehen, ins rechte Licht zu rücken und geeignete Massnahmen abzuleiten.
Es kann durchaus sein, dass auch kritische Feedbacks kommen, die vom Empfangenden allenfalls nicht verstanden werden oder verletzend wirken. Das kann Widerstand generieren gegenüber den Resultaten oder gegenüber dem Instrument. Gerade die letzte Phase im 360° Feedback Prozess ist entscheidend dafür, wie das Instrument wahrgenommen wird. Was passiert mit den Resultaten? Werden die Instrumente für den kommunizierten Zweck eingesetzt oder für einen nicht offengelegten missbraucht? Wenn es nicht zu einer Nachbearbeitung kommt, kann das 360° Feedback keine nachhaltige Wirkung entfalten.
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In einer Einführungspräsentation zum 360° Feedback wurde ich von einem Feedbackempfänger gefragt, ob er sein Verhalten denn zwingend verändern müsse aufgrund der Resultate. Ich entgegnete, 360° Feedback fördere die Selbstverantwortung indem es mit folgenden Fragen konfrontiert:

  • Kann ich das Feedback annehmen und mich meinen allfälligen blinden Flecken stellen?
  • Wie werde ich wahrgenommen von meiner Umwelt und was hat mein Verhalten für Auswirkungen?
  • Ist mein Verhalten zielführend, oder sollte ich mir überlegen, mein Verhalten anzupassen?

Das ist eine Chance; gerade für Menschen in Positionen, in denen sie nicht mehr oft ehrliches und offenes Feedback erhalten. Deshalb kann ein gut ein- und durchgeführtes 360° Feedback eine grosse Bereicherung sein für den Einzelnen und für die Unternehmung.

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