Accounting und Controlling

FER: Änderungen zu den diversen Wahlrechten. Eine Übersicht Teil 1/2

30. Oktober 2013

Das Regelwerk der Swiss GAAP FER beinhaltet eine Reihe von Wahlrechten, die seit dem 1. Januar 2013 in Kraft sind. Welche Fachempfehlungen von den Änderungen betroffen sind, zeigt die folgende Übersicht mit einer Gegenüberstellung alter und neuer Regelungen:

Betroffener Standard,
Thematik
  Alte Regelung   Neue Regelung,
gültig ab 1.1.2013
Swiss GAAP FER 2 „Bewertung“ Percentage of Completion-Methode Die Percentage of Completion-Methode (POCM) war für Kern-FER-Anwender nicht vorgesehen und somit nicht zulässig. Diese Methode gilt auch für Kern-FER-Anwender (Wahlrecht), wenn die Voraussetzungen gemäss Swiss GAAP FER 22 „Langfristige Aufträge“ eingehalten sind.
Swiss GAAP FER 2 „Bewertung“ Swiss GAAP FER 3 „Darstellung und Gliederung“ Im Finanzanlagevermögen ausgewiesene Wertschriften Finanzanlagen inkl. Wertschriften wurden zu Anschaffungskosten abzüglich allfälliger Wert- beeinträchtigungen bewertet. In den Finanzanlagen können ausgewiesene Wertschriften auch zum aktuellen Wert bilanziert werden (Wahlrecht). Wertveränderungen werden erfolgswirksam erfasst.
Swiss GAAP FER 17 „Vorräte“ Verbrauchsfolge- verfahren Als Verbrauchsfolge- verfahren war neben der FIFO Methode auch die LIFO Methode zulässig. Die LIFO Methode ist nicht mehr erlaubt.
Swiss GAAP FER 18 „Sachanlagen“ Bewertung von Nichtrendite- liegenschaften Es bestand das Wahlrecht, zur Nutzung gehaltene Sachanlagen in der Folgebewertung zu aktuellen Werten zu bewerten (über Neubewertungsreserve im Eigenkapital). Sachanlagen, welche zur Nutzung gehalten werden, dürfen nur noch zu Anschaffungs- oder Herstellkosten abzüglich der kumulierten Abschreibungen bewertet werden (Wahlrecht aufgehoben).
Swiss GAAP FER 27 „Derivate Finanz-instrumente“ Kategorien von Derivaten Es war eine Gliederung von Derivaten in drei Kategorien vorgesehen: Derivate zu Handelszwecken, Derivate zu Absicherungszwecken, übrige Derivate. Es sind nur noch zwei Kategorien von Derivaten vorgesehen: Derivate zu Absicherungszwecken (Bewertung wie Grundgeschäft oder aktueller Wert) und Derivate zu Spekulationszwecken (Bewertung zu aktuellem Wert).
Swiss GAAP FER 30 „Konzernrechnung“ Umrechnung von in Fremdwährung erstellter Abschlüsse Es bestand das Wahlrecht, die Positionen der Bilanz (ausser dem Eigenkapital) zum Stichtags- oder zum Durchschnittskurs der letzten Woche / des letzten Monats des Geschäftsjahres zu bewerten. Die Positionen der Erfolgsrechnung konnten zum Tages- oder zum Durchschnittskurs der Periode umgerechnet werden. Umrechnungs- differenzen konnten im Periodenergebnis oder im Eigenkapital verbucht werden. Die Bilanzpositionen (mit Ausnahme des Eigenkapitals) werden zwingend zum Stichtagskurs umgerechnet. Die Positionen der Erfolgsrechnung werden zwingend mit Durchschnittskursen umgerechnet. Die Umrechnungsdifferenz ist zwingend im Eigenkapital zu verbuchen (Wahlrechte aufgehoben).

 

Nachfolgend gehen wir näher auf die Änderungen bei den diversen Wahlrechten ein. Eines der wichtigen Wahlrechte betrifft bei der Langfristfertigung die Gewinnrealisierung nach dem Fertigstellungsgrad.

Percentage of Completion-Methode (POCM)

Die Anwendung der POCM für langfristige Auftrage war bisher für Anwender von Kern-FER nicht vorgesehen und daher nicht zulässig. Neu haben sie bei der POCM ein Wahlrecht. Die Methode berücksichtigt bei der Bewertung von längerfristigen Aufträgen nebst den Anschaffungs- und Herstellkosten sowie weiteren auftragsbezogenen Aufwendungen auch einen anteilsmassigen Gewinn, sofern dessen Realisierung mit genügender Sicherheit feststeht. Sobald sich Verluste aus einem langfristigen Auftrag abzeichnen, sind entsprechende Wertberichtigungen im vollen Umfang – unabhängig vom Fertigungsgrad– zu bilden.

Die Voraussetzungen für die Anwendung der POCM entsprechen dabei den Vorgaben gemäss Swiss GAAP FER 22 „Langfristige Auftrage“. Um von der POCM Gebrauch machen zu können, müssen die Bedingungen kumulativ erfüllt sein. Es sind dies:

  • Es liegt eine vertragliche Grundlage vor.
  • Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die vertraglich vereinbarten Leistungen durch den Hersteller und den Auftraggeber erfüllt werden.
  • Für die Abwicklung langfristiger Aufträge ist eine geeignete Auftragsorganisation vorhanden.
  • Eine zuverlässige Ermittlung aller mit dem Auftrag im Zusammenhang stehenden Auftragserlöse, Auftragsaufwendungen sowie des Fertigstellungsgrades ist möglich.

Die Einführung dieses Wahlrechtes ermöglicht es beispielsweise Handwerksbetrieben, ihre Jahresrechnung nach betriebswirtschaftlichen Kriterien darzustellen.

Teil 2 zeigt auf, welches Wahlrecht neu bei Wertschriften besteht und was Wertveränderungen buchhalterisch bedeuten. Änderungen betreffen zudem die Verbrauchsfolgeverfahren (LIFO, FIFO). Der zweite Teil geht auch auf die Bilanzierung von Nichtrenditeliegenschaften ein und auf die Frage, warum bei Derivaten neu nur noch zwei Kategorien zur Anwendung kommen.

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Co-Autoren

Sebastian Rüth

Sebastian Rüth,
Wirtschaftsprüfung OBT AG, St. Gallen

 

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