HR und Leadership

Innere Kündigung – Potentialanalyse zu ihrer Erkennung und ihren Dimensionen

24. Mai 2013

Der motivierte Mitarbeitende ist für das Unternehmen ein wesentlicher Erfolgsfaktor und Vermögenswert im Sinne des Humankapitals. Hingegen gefährden Mitarbeitende mit inneren Kündigungen (IK) durch Reduktion von Leistung, Ideenreichtum und Innovation sowie hohen Fluktuationsraten und Fehlzeiten den Unternehmenserfolg. Deshalb müssen sich Geschäftsleitung, Human Ressource Management (HRM) und Führungskräfte mit dem Thema der inneren Kündigung beschäftigen.

Trotz der Brisanz des Themas, ist die innere Kündigung bislang nicht einheitlich definiert worden und ihrer Mehrdimensionalität wird kaum Rechnung getragen. Im Rahmen meiner Masterarbeit gelang es mir, ein praxistaugliches Instrument zu erarbeiten, um die Ursachen und den Grad der inneren Kündigung zu analysieren sowie Möglichkeiten der Rückmotivation zu erkennen.

Die Erkenntnisse aus einer Umfrage mit 1'038 Mitarbeitenden (beide Geschlechter, diverse Alters- und Berufsschichten) zeigt, dass die innere Kündigung keine Einzelursache, sondern das Resultat des Zusammenspiels mehrerer Faktoren darstellt, in welcher die neuzeitlichen gesellschaftlichen Trends ebenso stark gewichtet werden müssen wie die unternehmensbedingten Dimensionen.

Unternehmen (Indikatoren)

1. Unternehmen (IU)
  • Strategie
  • Kultur
  • Organisation
2. Führung (IF)
  • Gesprächskultur
  • Kompetenzbereich
  • Informationsverhalten
  • Kommunikation
  • Mitarbeiterpartizipation
  • Vertrauen
3. Team (IT)
  • Verhalten
  • Konflikte
  • Organisation
  • Anerkennung
  • Arbeitsbelastung
  • Partizipationsmöglichkeiten

 

Mitarbeitende (Symptome)

1. Person (SP)
  • Erwartungen
  • Lebens- und Karriereplanung
  • Angst vor Arbeitslosigkeit
  • Anerkennung
  • Arbeitseinstellung
  • Identifikation
  • Gesundheitliche Auswirkungen und psychosomatische Belastung
2. Gesellschaft (SG)
  • Soziale Anerkennung
  • Angst um die eigene Statusposition
  • Erfolg und Gleichberechtigung in der Gesellschaft
  • Materielle und immaterielle Gerechtigkeit
  • Lebensqualität
  • Sinnsuche
3. Werte (SW)
  • Freizeitgesellschaft
  • Arbeitsflexibilisierung
  • Anspruchsgesellschaft
  • Multioptionsgesellschaft
  • Individualisierung
  • Tempogesellschaft

.
Die Interaktionen und gegenseitigen Abhängigkeiten der verschiedenen Dimensionen zeigten klar auf, warum diese nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Deshalb wurde zum besseren Verständnis der Dimensionen das grafische Modell des Spiders ausgewählt.
Dieses Modell ermöglicht die Darstellung der inneren Kündigung sowohl bezüglich einzelner MA als auch für ein Unternehmen insgesamt.
Gleichzeitig visualisiert diese Grafik sinnbildlich die oft genannte „Work-Life-Balance“ im Ineinanderfliessen der persönlichen und geschäftlichen Dimensionen.

Spider auf Ebene Unternehmen, Filialen, Teams, etc.

In diesem Beispiel lassen die Resultate darauf schliessen, dass bei der Filiale A hauptsächlich führungsbedingte Gründe vorhanden sind. Bei Filiale B sind die Gründe für eine IK vermehrt auf gesellschaftliche Probleme zurückzuführen.

Spider auf Ebene Mitarbeitende

Gemäss Graphik unten lässt sich erkennen, dass Mitarbeiter B stärker von einer IK betroffen ist. Gründe bei Mitarbeiter A sind Probleme mit den gesellschaftlichen Werten. Bei Mitarbeiter B sind Schwierigkeiten mit der Führung, dem Team und den gesellschaftlichen Dimensionen vorhanden.

Die Auswertung dieser Spider liefern wertvolle Erkenntnisse für die  Personalführung und können somit massgebend zu verfeinerten Handlungsempfehlungen in der Führungs-arbeit beitragen.

Bei den 1038 befragten Personen lag die Verteilung der inneren Kündigungen, welche als repräsentativ für die gesamte Schweizer Bevölkerung angesehen werden darf, bei folgenden prozentualen Anteilen:

Ergebnisse
der Umfrage

Phasen der inneren Kündigung

54.6% IK 1 - keine IK
Der MA ist motiviert und identifiziert sich mit dem Unternehmen. Dementsprechend bringt er den vollen Arbeitseinsatz
26.0% IK 2 - proaktive Phase der IK
Beginnende IK, der MA befindet sich erst in einer Vorphase der IK und kann mit moderatem Aufwand wieder motiviert werden.
10.3% IK 3 - reaktive Phase der IK
Der MA kann mit (grösserem) Aufwand remotiviert werden.
9.2% IK 4 – nicht reaktive Phase/postaktive Phase der IK
Endstadium der IK, der MA lässt sich kaum mehr zurückgewinnen.

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Weitere Erkenntnisse finden Sie auf www.innerekuendigung.ch.

Das Modell für die Analyse der inneren Kündigung von Mitarbeitenden ist fertig und wartet auf die ersten Erprobungen in der Praxis; vielleicht in Ihrem Unternehmen?

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