HR und Leadership

Für welche Berufe entscheiden sich junge Frauen und Männer im Kanton Zürich?

24. April 2013

Jungen Männern und Frauen  stehen heute grundsätzlich die gleichen Ausbildungsgänge und Laufbahnen offen. Trotzdem wählen sie ihren Beruf nach unterschiedlichen Kriterien und aus einem unterschiedlich breiten Spektrum aus. In unserer Gesellschaft sind stereotype Vorstellungen davon, was typisch weibliche oder typisch männliche Fähigkeiten oder Tätigkeitsfelder sind, nach wie vor stark verbreitet. Der Eintritt in ein untypisches Feld erfolgt nicht selbstverständlich. Mädchen und Knaben sowie deren Eltern lassen sich bei der Berufswahl oft von den vorgefundenen Geschlechterverteilungen in der Ausbildung und im Arbeitsmarkt beeinflussen und schränken sich in ihrer Berufswahl und ihren Zukunftsperspektiven auf das bereits Bekannte ein.

Die beliebtesten Berufe

Die Ausbildung zur Kauffrau ist bei weitem die beliebteste Ausbildung von jungen Frauen aus dem Kanton Zürich. Ausbildungen im Bereich Detailhandels, Betreuung, Gesundheit und Coiffeurin liegen ebenfalls weit vorne. 75% der jungen Frauen schränken sich in ihrer Berufswahl auf lediglich 12 Berufe ein. Die restlichen 25% verteilen sich auf 126 Berufe.
Auch bei den jungen Männern zeigt sich die grosse Beliebtheit der kaufmännischen Berufsausbildung. Lehren im Bereich Informatik, Elektroinstallateur, Detailhandelsfachmann und Polymechaniker werden ebenfalls gerne gemacht. Bei jungen Männern ist das Berufsspektrum grösser als bei den Frauen: 75% der jungen Männer ergreifen einen Beruf aus den ersten 30 der Berufswahlhitliste. Die restlichen 25% verteilen sich auf 167 Berufe.

Die geschlechtsspezifische Berufswahl wird durch die folgende Grafik verdeutlicht:

Quelle: BISTA, Lehrvertragsstatistik, Darstellung STAT, 2010

Die meisten Berufe sind von Jungen und Mädchen sehr unterschiedlich besetzt: Zum Beispiel sind Frauen in den Berufslehren Fachmann/-frau Gesundheit und Fachmann/-frau Betreuung fast ausschliesslich unter sich. Hingegen sind im Bereich Elektroinstallateur/in und Polymechaniker/in fast nur Männer vorzufinden, Frauen kommen in diesem Bereich fast nicht vor.

Was heisst das nun?

Frauen gelten auf der einen Seite als Bildungsgewinnerinnen, weisen oft bessere und höhere Bildungsabschlüsse als ihre männlichen Kollegen auf, sind engagiert im Beruf und geben sich in ihrem Auftreten äusserst selbstbewusst. Auf der anderen Seite übernehmen sie nach wie vor den grössten Teil der Haushalts- und Betreuungsarbeiten. Die Ambivalenz zwischen Selbstverwirklichung und traditioneller Beharrlichkeit zeigt sich hier sehr deutlich. In Institutionen zeigen sich diese Beharrlichkeit anhand der Beteiligung und Orientierung am Erwerbsleben, beim begrenzten Zugang zu höheren Berufspositionen („gläserne Decke“) und der geringeren Bezahlung. Oft wird bei Frauen ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass sie die Familienarbeit und Reproduktion zuständig sind, dass sie lieber Teilzeit arbeiten und finanziell nur als Zuverdienerin gelten, bei Männern hingegen, dass sie Vollzeit erwerbstätig sein möchten und der Ernährer der Familie sind.

Aber: Entsprechen diese Bilder wirklich der Realität?

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