HR und Leadership

Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist 300 Jahre alt

15. Februar 2013

Die erste schriftliche Formulierung des Prinzips der Nachhaltigkeit feiert 2013 tatsächlich ihren 300. Geburtstag. Denn im Jahr 1713 veröffentlichte der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz sein Werk „Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht“, das nicht nur als wichtiges Werk der Forstwirtschaft, sondern eben auch als schriftliche Geburtsstunde des Prinzips der Nachhaltigkeit gilt. Ausgehend von den schwindenden Waldressourcen – die für die Energiegewinnung, aber auch für den Bau von Kriegsschiffen benötigt wurden – formulierte er als forstwirtschaftliches Bewirtschaftungsprinzip, dass nur so viele Bäume geschlagen werden sollten, wie im gleichen Zeitraum wieder nachwachsen bzw. nachgezüchtet werden können. Die Wurzeln des Nachhaltigkeitsbegriffs, wie wir ihn heute verstehen, liegen also wortwörtlich im Wald und in seiner Bewirtschaftung.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung unter dem Vorsitz der ehemaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland die Definition von einer nachhaltigen Entwicklung (sustainable development) entworfen, die auch heute noch die Diskussion bestimmt. In dem auch als „Brundtland-Bericht“ bekannt gewordenen Bericht von 1987 „Unsere gemeinsame Zukunft“ (Our common future) an den Club of Rome beschreibt die Kommission eine nachhaltige (bzw. dauerhafte) Entwicklung als
„... Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“
Es geht also darum, auf eine Weise zu wirtschaften, die weder heutige Generationen in weniger entwickelten Ländern noch zukünftige Generationen in der Befriedigung ihrer Bedürfnisse einschränkt. Eines der zentralen Themen dabei ist der Ressourcenverbrauch, denn die endlichen Ressourcen, die wir heute vernichten (z.B. fossile Energieträger), stehen zukünftigen Generationen nicht mehr zur Verfügung.
Auf dem ersten Weltgipfel in Rio des Janeiro im Jahr 1992 wurde die nachhaltige Entwicklung zum politischen und gesellschaftlichen Leitbild. Seit 1997 veröffentlicht auch der Bundesrat regelmässig seine Strategie Nachhaltige Entwicklung. Die aktuelle Strategie deckt den Zeitraum von 2012 bis 2015 ab.
Aus der Notwendigkeit, die eher allgemein gefasste Definition einer nachhaltigen Entwicklung für die Umsetzung zu konkretisieren, entstand das sogenannte Drei-Säulen-Modell, das häufig auch als Nachhaltigkeitsdreieck ausgestaltet wird. Die drei Säulen stehen für Ökologie, Ökonomie und Soziales. Nur, wenn alle drei Säulen berücksichtigt werden, kann der Weg in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung eingeschlagen werden.

Bild: Nachhaltigkeitstage.de
Um einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten, geht es auf betrieblicher Ebene darum, entsprechende Nachhaltigkeitsstrategien zu entwickeln und Massnahmen umzusetzen, welche die drei Säulen abdecken:

  • Ökologische Massnahmen tragen zum Beispiel zum Umwelt- und Klimaschutz bei, schonen Ressourcen und bewahren die Biodiversität.
  • Eine mögliche ökonomische Massnahme zur Nachhaltigkeit ist die langfristige Ausrichtung eines Unternehmens.
  • Zu den sozialen Massnahmen zählen beispielsweise die faire Behandlung von Mitarbeitenden, aber auch der Angestellten von Zulieferbetrieben.

Seit Ende der 1990er Jahre haben sich viele Unternehmen – auch in der Schweiz – mit dem Leitbild nachhaltige Entwicklung auseinandergesetzt und eigene Strategien und Massnahmen entworfen und umgesetzt. Heute kann es sich kaum ein Unternehmen leisten, sich nicht mit dem Thema Nachhaltigkeit und seinen vielen Subthemen auseinanderzusetzen, denn die Forderungen verschiedener Anspruchsgruppen nach einer verantwortlichen Unternehmensführung sind schon seit langem nicht mehr zu überhören.
Für alle Fans von explainity gibt es auch ein entsprechendes Video zum Thema Nachhaltigkeit:

Falls Sie das Video nicht sehen können, klicken Sie hier.
Einen umfassenden Überblick über das Thema Nachhaltigkeit und viele Unterthemen bietet das Lexikon der Nachhaltigkeit.

Verwandte Artikel