HR und Leadership

Das Individuum formt die Gesellschaft – Ein Ansatz der Praxeologie

25. Februar 2013

Markt ist Tausch; Tausch bedeutet immer für beide Parteien eine Verbesserung der jeweiligen Umstände. Würde eine Partei nach dem Tausch benachteiligt sein, würde sie nicht tauschen. Der Grund für den Tausch hängt vom Nutzen ab den die tauschende Partei erhält. Die Wertung des zu tauschenden Mittels ist absolut individuell.

Ludwig von Mises erklärt in seinem Werk „Nationalökonomie“ im 5. Kapitel - Das Handeln in der Welt - die individuell vorgenommene Wertung der Güter folgendermassen:

„Wer über hundert Bretter verfügt, kann eine Hütte errichten, die ihn vor den Unbilden der Witterung besser schützt als ein Regenmantel. Als Besitzer von 98 Brettern wäre er bereit, für die Erwerbung von 2 weiteren Brettern einen Regenmantel zu opfern; als Besitzer von nur 3 Brettern würde er den Regenmantel auch für 90 Bretter nicht hergeben.

Es mag jemand, dessen Ersparnisse 1000 CHF betragen, nicht bereit sein, eine Mehrarbeit für ein Entgelt von 200 CHF zu übernehmen; würde er 2000 CHF besitzen und den dringenden Wunsch haben, ein unteilbares Gut, das 2100 CHF kostet, zu erwerben, dann würde er selbst für 100 CHF den in Betracht kommenden Dienst zu leisten bereit sein.“

Diese Beispiele verdeutlichen vor allem eine Sache: Niemand ist in der Lage nur annähernd Prognosen oder Verallgemeinerungen bezüglich dem alltäglichen Handeln der Menschen zu machen. Eine „Anmassung von Wissen“ hat es Friedrich August von Hayek genannt.

Kein Computer und auch keine Wirtschaftsexperten können wissen, prognostizieren oder auch nur erahnen, warum ein Regenmantel in einem Fall für 3 Bretter geopfert wird; in einem anderen Fall aber der Regenmantel nicht mal für 90 Bretter hingegeben wird.

Jede menschliche Handlung ist individuell; der handelnde Mensch ist als solches Teil einer kooperativen Gesellschaft. Der Handelnde, also das Individuum formt eine Menschenmasse zu einer Gesellschaft. Es ist zweifellos eine Anmassung von Wissen wenn man versucht die Bedürfnisse einer Gesellschaft zu kennen. Im Hinblick auf die Gegebenheit, dass das Handeln immer individuell ist und man logisch argumentieren möchte, ist es ehrlicher wenn man sagen würde: man kennt die Bedürfnisse jedes einzelnen Menschen.
Dies wiederum ist aber eine so offensichtliche „Anmassung von Wissen“, dass jeder Mensch zu Recht eine solche Aussage als überheblich und verrückt bezeichnen wird.

Es handelt nicht die Gesellschaft, sondern das Individuum und dieses handelt nach den Naturgesetzen der Praxeologie.

(Dieser Artikel ist in Anlehnung an den vorangegangenen „Transparenz schafft Freiheit“ von Angelo Ciaramella)

Verwandte Artikel