HR und Leadership

Action Learning – die Haltung und Rolle eines Facilitators

06. Februar 2013

Die Rolle und insbesondere die Haltung eines Facilitators sind gar nicht so einfach zu beschreiben. Der Haltung jedoch kommt eine besondere Bedeutung zu, generieren sich doch aus der Haltung oftmals die Methoden und Techniken von selbst, welche jedoch ohne entsprechende Haltung leer sind und eine glanzlose Hülle bilden.

Demut und Gleichwertigkeit als Schlüssel

Kommt einem Trainer oder Lehrer im normalen Seminarbetrieb oder in der Schule zumeist die Rolle des „Wissenden“ zu, der viele Erfahrungen gemacht hat und diese gerne weitergeben möchte, sind Erfahrungen und Wissen eher Hindernis für die Arbeit eines Facilitators. Das im Mittelpunkt stehen, das mehr Wissen, den Ruf eines Experten zu geniessen, schmeichelt der eigenen Persönlichkeit. Eine Grundhaltung des Facilitators ist jedoch, dass er absolut gleichwertig gegenüber der Gruppe ist. Er weiss weder mehr, noch vergibt er Expertentipps, sondern begleitet eine Gruppe mit einer Haltung von Bescheidenheit. Seine Perspektive ist eine von vielen. Er hat nicht die Lösung für ein Problem und er hat auch nicht seine Erfahrungen als Lernvorschläge für Lernende parat, da diese Haltung jene unter Umständen davon abhalten würde, eigene Erfahrungen zu machen. Dieses „daneben“ Stehen und doch präsent und aufmerksam sein, lässt sich unter Umständen mit den Ursprüngen des Konzepts des „Servant Leadership“ von Robert K. Greenleaf vergleichen. Greenleaf kam auf die Idee des Servant Leadership beim Lesen der „Morgenlandfahrt“ von Hermann Hesse. Dort wird eine Reisegruppe von einem Diener begleitet, der jedoch zumeist im Hintergrund bleibt. Eines Tages verschwindet der Diener und die Reisegruppe fällt auseinander - zunächst weisst keiner warum. Ähnlich ergeht es wohl ab und zu auch Teilnehmenden einer Lerngruppe, die nicht selten fragen, was denn der Facilitator die ganze Zeit mache.

Empathie und Nichtbewertung als innere Haltung

Facilitators sind keine Therapeuten und doch sind Nichtbewertung und Empathie deren wichtigste Haltungen für die nachhaltige Entwicklung der Teilnehmer. Diese absolute Präsenz, Offenheit und Empathie erfordern ein hohes Mass an Konzentration und sind letzten Endes gleichzeitig eine Lebensphilosophie des Facilitators, der er nachstrebt. Es ist eben nicht nur eine begriffliche Unterscheidung zwischen Lehrer, Trainer und Facilitator, sondern dahinter verbergen sich unterschiedliche Lernphilosophien und nicht zuletzt grundsätzliche Annahmen und Ideen über den Menschen an sich. Was hier hoch geistig klingt, wirkt sich in der Beratung und Entwicklung und Begleitung von Gruppen fundamental aus. Facilitators teilen die Ansicht, dass Wissen oder Erfahrungen nicht gelehrt werden können, sondern dass Erfahrungen selbst gemacht werden müssen, um durch Reflexion und Feedback Entwicklungen anstossen zu können.

Ohne Vertrauen, Verantwortung und Respekt geht es nicht

Beim Facilitation hat die Lerngruppe die alleinige Verantwortung für die Aufgabe, die dieser gestellt wird. Der Facilitator mischt sich nicht in operative Themen ein, da er auf die Metaebene, auf den Prozess blickt. Mit dieser Verantwortungsübernahme (wer führt unsere Gruppe, wann machen wir Kaffee Pause, welche Entscheidungen treffen wir, welche Konsequenzen tragen wir) gibt es keine Unterstützung von aussen für die Teilnehmer, die ihnen diese abnehmen würde. Das heisst, die Entscheidungen, die sie treffen, sind bindend verbindlich. Vor diesen Entscheidungen hat auch der Facilitator Respekt und vertraut auf den Prozess und die Gruppe, dass Lernerfahrungen passieren. Denn durch diesen realen Stress verhalten sich Teilnehmer zumeist gemäss ihrer sozialisierten Muster, die so sind wie sie sind. Was diese Muster bei ihnen selbst und anderen auslösen, das gilt es dann zu reflektieren. Manche Teilnehmer reagieren im ersten Moment hilflos und ängstlich, wenn die äussere Struktur zumeist in personam des Trainers wegfällt, um ihnen zu sagen, was richtig wäre oder wie er es machen würde.

Raum für Reflexion und Feedback schaffen

Ein Facilitator schafft den Rahmen, in dem Reflexion und Feedback möglich sind. Reflexion bedeutet hier nicht Antworten auf die Fragen zu finden „was tue ich, oder was denke ich“, sondern „wie denke ich, wie tue ich es und wie wirkt dies auf andere“. Die Reflexion dient dazu, die eigenen Muster zu erkennen, zu wissen, wie sie ausgelöst werden und wie die Wirkung auf andere ist. Selbstverständnis kommt hier also vor Entwicklung, bzw. ist mehr Entwicklung als der Drang, Ziele zu setzen und Entwicklungen bewusst zu gestalten. Denn sind wir uns ehrlich, wem ist es jemals gelungen glücklich zu sein, der als Ziel hatte glücklich zu werden? Durch den Rahmen des Vertrauens, des Respekt und der Wertschätzung schafft der Facilitator Situationen für Feedback. Dabei sieht er sein Feedback, seine Perspektive gleichberechtigt mit anderen Gruppenmitgliedern, nicht genauer, besser oder gar treffender. Im Sinne der Selbstverantwortung sieht er Feedback auch als Holschuld, d.h. Gruppenmitglieder können jederzeit Feedback erhalten, doch steht es in ihrer Verantwortung diese einzufordern.

Facilitator und Trainer - wen braucht es wann?

Nach Auffassung des Autors braucht es Facilitator und Trainer, jedoch nicht zusammen in einem Setting, da hinter beiden unterschiedliche Lernphilosophien, Haltungen und Kompetenzen stehen. Eine Person kann deswegen nicht gleichzeitig als Trainer und Facilitator seine Dienstleistungen anbieten. Einen guten Facilitator zu finden, gestaltet sich schwierig, da Ausbildungen und Referenzen kein Garant für Erfahrungen mit Erfahrungslernen sind und kein Garant für sorgfältiges Arbeiten des Facilitators.
Unserer Erfahrung nach sind mehre persönliche informelle Gespräche notwendig, um heraus zu finden, worum es dem Facilitator geht. Stellt er sich absolut in den Dienst der Entwicklungsmassnahme, oder lieber selbst in den Mittelpunkt?

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