Accounting und Controlling

Assessment – die Kunst, richtig zu entscheiden

24. Dezember 2012

Ein Grossteil aller Erfolge im Arbeitsalltag beruht auf Merkmalen der Persönlichkeit: Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit, Führungsanspruch, Praxisorientierung und, besonders wichtig - dem kompetenten Umgang mit Veränderungen. Aus diesem Grund werden bei der Besetzung von Führungspositionen Assessments als Teil eines erfolgreichen und ganzheitlichen Auswahlverfahrens eingesetzt. Ziel dieser Art von Verfahren ist es, teure Fehlbesetzungen zu vermeiden. Solche Kosten belaufen sich auf zwischen 50 und 75% des Jahresgehalts bei Fachkräften und 75 bis 100% bei Führungskräften.

Ein erfolgreiches Assessment wird auf die zu besetzende Position massgeschneidert konzipiert, die Aufgaben praxisnah formuliert. Je besser es gelingt, den Praxis-Alltag zu simulieren, desto erfolgreicher ist ein Assessment. Im Fokus stehen persönliche Merkmale und Fähigkeiten, die für die Zielposition relevant sind. Beispielsweise Führungsverhalten, analytische Kompetenz, Kommunikationsverhalten , Überzeugungskraft, unternehmerisches Denken, Motivation und Initiative. Assessments werden als Einzel- oder Gruppenassessments durchgeführt. Es gilt ein 4-Augenprinzip, d.h. mindestens zwei professionelle Beobachter überprüfen das Verhalten der Kandidatinnen und Kandidaten.

Wer zum Assessment eingeladen wird, hat bereits zahlreiche Hürden im Bewerbungsprozess erfolgreich gemeistert oder wurde als wertvoller Mitarbeiter mit Entwicklungspotenzial erkannt. Assessment haben auch für die Bewerberinnen und Bewerber zahlreiche Nutzen - auch wenn diese nicht immer auf Anhieb ersichtlich sind. Der Assessee erhält Rückmeldungen über eigene Stärken und Schwächen, kann Eigenbild und Fremdbild überprüfen, oftmals wird auch nicht genutztes Potenzial aufgedeckt. Durch die praxisnahen Inhalte erhält der Kandidat realistische Vorstellungen über die Aufgaben, welche ihn an der neuen Position erwarten, Entscheide können besser nachvollzogen werden.

Typische Assessment-Aufgaben

Assessment-Aufgaben werden in Form von Präsentationen, Fallbeispielen, Rollenspielen, Interviews und Leistungs- und Persönlichkeitsanalyse durchgeführt.

Fallbeispiele und Rollenspiele werden häufig kombiniert, Inhalte sind anspruchsvolle, schwierige Alltagssituationen, die als Führungsperson gelöst werden müssen. Der Teilnehmer kann sich in den Fall einlesen, oft übernimmt einer der Beobachter eine Rolle im Spiel: ein schwieriger Mitarbeiter, unzufriedener Kunde, Entlassungsgespräche, anspruchsvolle Lohngespräche, etc. Hier werden Führungsqualitäten, Kundenorientierung, Stress- und Konfliktfähigkeit sowie die Werthaltung des Kandidaten überprüft.

Interviews
Grosse Bedeutung kommt nach wie vor dem persönlichen Interview zu. In einem interessanten Dialog können zahlreiche Informationen gewonnen und angesprochene Themen vertieft werden. Ein gekonnt geführtes, persönliches Gespräch gibt Auskunft über die Kommunikationsfähigkeit, über Philosophie und Werthaltung des Kandidaten, über das persönliche Umfeld, Vorlieben und Freizeitbeschäftigung - es können auch zum Teil heikle Fragen in einer guten Atmosphäre angesprochen werden.

Persönlichkeitsanalysen
In Form von grösstenteils webbasierten Fragebogen werden qualitative Persönlichkeitsmerkmale sichtbar gemacht: Führungsanspruch, Kontaktfähigkeit, Selbstkontrolle, Kommunikationsfähigkeit, Beziehungsmanagement, etc.

Ein absoluter Klassiker ist die Postkorbübung:
Wie es der Name bereits signalisiert, besteht die Aufgabe darin, einen riesigen Berg Post in vorgegebener, nicht ausreichender Zeit zu bearbeiten. Beobachter überprüfen die Fähigkeiten des Kandidaten Prioritäten zu setzen, Entscheide zu fällen und delegieren zu können.

Präsentationen
Hier erhalten Sie die Aufgabe, einen kurzen Vortrag oder eine Ansprache zu halten, Zeitrahmen 3 – 5 Minuten.

So bestehen Sie ein Assessment erfolgreich

Vorbereitung

  • Holen Sie Informationen über das Unternehmen ein. Verfolgen Sie ein paar Tage vorher in der Presse aktuelle Branchenthemen, informieren Sie sich über Tendenzen und Trends.
  • Es gibt zahlreiche Literatur und Tipps zu Assessments. Lassen Sie sich jedoch durch die Vielfalt nicht verunsichern. Bereiten Sie sich besser mental vor, stellen Sie sich die Situation und die teilnehmenden Personen vor und entwickeln Sie ein gutes, gelassenes und sicheres Gefühl.
  • Es macht wenig Sinn, sich bestimmte Verhaltensmuster und Vorgehensweisen anzutrainieren. Warum sollten Sie das auch tun? Sorgen Sie dafür, dass Sie körperlich fit und ausgeruht sind.
  • Und nicht zuletzt: wählen Sie einen Kleidungsstil, der zur entsprechenden Position passt. Ebenso wichtig ist es allerdings, dass Sie sich in der gewählten Kleidung wohl fühlen.

Beim Assessment

  • Ein Assessment stellt immer eine aussergewöhnliche Situation dar.
  • Bleiben Sie authentisch und verwenden Sie Ihre Energie für die zu erledigenden Aufgaben. Aufmerksamkeit, Konzentration, Ruhe und Gelassenheit unterstützen Sie dabei.
  • Der verbalen und non-verbalen Kommunikation wird besondere Bedeutung beigemessen – dies ist auch am einfachsten zu beobachtet. Achten Sie auf Ihre Körperhaltung und auf Ihre Stimme, sprechen Sie klar und deutlich, nicht zu schnell. Halten Sie während der Gespräche Blickkontakt mit allen Beteiligten.
  • Setzen Sie bei den Präsentationen alle zur Verfügung stehenden Medien ein: halten Sie Stichworte auf dem Flip-Chart fest, visualisieren Sie komplexe Zusammenhänge und setzten Sie den Beamer ein.

Spielen Sie nicht mit Gegenständen: Wer nervös ist, spielt gerne an der Halskette oder klickt pausenlos mit dem Kugelschreiber.

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