HR und Leadership

Hätten Sie’s gewusst? Kündigung und Lohnfortzahlung in der Probezeit

26. November 2012

Herr Gilbert tritt seine Stelle als Bäcker am 1. Juni an; er untersteht weder einem GAV noch einem NAV. Einen schriftlichen Arbeitsvertrag hat er auch nicht erhalten. Mit dem Arbeitgeber wurden lediglich Stellenantritt, Arbeitszeit und Monatslohn vereinbart.

Am 20. Juni muss er wegen einer Infektion fünf Werktage zu Hause bleiben. Am 5. Juli erhält er einen eingeschriebenen Brief, datiert vom 1. Juli, der seine Kündigung auf den 7. Juli ausspricht. Herr Gilbert ist äusserst erstaunt, denn er hat doch keinen Anlass zu Tadel gegeben.

Er verlangt von seinem Arbeitgeber eine Begründung der Kündigung und die Bezahlung des Lohns für den ganzen Monat Juli.

Wie ist dieser Fall zu beurteilen?

Lösung

Da nichts anderes abgemacht ist, dauert die Probezeit einen Monat, also den ganzen Juni. Weil Herr Gilbert während der Probezeit erkrankt, wird diese entsprechend verlängert, nämlich um 5 Tage bis zum 5. Juli.

Während der Probezeit gilt die verkürzte Kündigungsfrist von 7 Tagen. Entscheidend ist dabei nicht das Datum im Brief oder der Poststempel, sondern der Eingang beim Gekündigten (am 5.7.). Das Arbeitsverhältnis endet deshalb nicht am 7. Juli, sondern erst am 12. Juli. So lange hat Herr Gilbert auch den Lohn zugut.

###

Buchtipp:
Arbeitsrecht und Sozialpartnerschaft für HR-Fachleute
Eine praxisorientierte Darstellung mit Repetitionsfragen und Antworten sowie Minicases von Peter Böhringer, Christa Müller, Lucien Gehrig und Thomas Hirt.

Verwandte Artikel