Accounting und Controlling

CFO-Interview: „Nur das einzelne Geschäftsjahr zu beachten ist fatal“

26. Oktober 2012

Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels werden Werte künftig noch mehr hinterfragt, wobei das Thema Nachhaltigkeit und die Kommunikation an Bedeutung gewinnen werden, sagt Martin Gredig, CFO der Rhätischen Bahn. Bei der Beurteilung der Geschäftsaktivitäten stünden bei Unternehmen der öffentlichen Hand eher Benchmarks mit einem Fokus auf die erbrachte Leistung im Vordergrund.

Welche spezifische Aus- und Weiterbildung ist für die Rolle eines CFO unbedingt erforderlich?

Von den Finanzen sollte ein CFO schon was verstehen. Eine kaufmännische Grundausbildung wie zum Beispiel Betriebswirtschaft erachte ich als Voraussetzung. Dazu kommen Führungsausbildungen.

Was sind die grössten Fehler, die man beim Führen einer Finanzabteilung machen kann?
Nur das einzelne Geschäftsjahr zu beachten, kann fatal sein.

 

Produkt- und Innovationszyklen laufen heute viel schneller ab. Welche Herausforderungen stellen diese Beschleunigungen an die Finanzierung?
Vergessen Sie die langlebigen Infrastrukturgüter wie Strasse, Schiene, Stromnetze, Wasserleitungen, Flugzeuge etc. nicht. Bei der Finanzierung ist zu beurteilen, welche Fristen mit der Innovation oder dem Produkt verbunden sind. In jedem Fall sind den Kreditgebern der Nutzen und die Wirtschaftlichkeit transparent und realistisch aufzuzeigen.
Oft kristallisieren sich in den einzelnen Branchen bestimmte Benchmarks heraus (z.B. Eigenkapitalretabilität).

Inwiefern richtet sich Ihr Unternehmen an solche Bezugswerte?
Benchmarks sind auch bei Unternehmen des öffentlichen Verkehrs eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Geschäftsaktivitäten. Aufgrund des Besitzes durch die öffentliche Hand steht aber im Gegensatz zu rein privatwirtschaftlichen Unternehmen eher die erbrachte Leistung, zum Beispiel Aufwand pro gefahrenen Zug-Kilometer im Vordergrund.

Welchen Anteil hat der CFO an der strategischen Gestaltung und Entwicklung des Unternehmens?
Das ist von Unternehmen zu Unternehmen verschieden. Ich ziehe es vor, als CFO aktiv und massgebend an der strategischen Gestaltung des Unternehmens beteiligt zu sein.

Welche Trends sind für Sie im Finanz- und Rechnungswesen in den nächsten 10 Jahren bestimmend?
Bewertungen werden aufgrund des gesellschaftlichen Wertewandels grundsätzlich hinterfragt. Qualitative Elemente, wie Nachhaltigkeitsreports oder die Art der Kommunikation gewinnen weiter an Bedeutung.

Glauben Sie, dass die Finanzkrise überwunden ist und welche Indizien sprechen dafür oder dagegen?
Die Finanzkrise ist noch nicht überwunden. Staatshaushalte sind in Ordnung zu bringen. Da gibt es drei Möglichkeiten: Steuererhöhungen, Kapitalschnitte oder Inflation. Es wird alles brauchen, um wieder in eine vernünftige wirtschaftliche Balance zu kommen.

Wenn Sie nicht CFO wären, welchen Beruf würden Sie stattdessen ausüben?
Solange ich im ganzheitlichen Ansatz wirken kann gefällt mir die Arbeit als CFO ausgezeichnet. Da ich gerne koche und mindestens so gerne gut esse, könnte ich mir auch noch ein Beruf in der Lebensmittelbranche oder Gastronomie vorstellen.

Wir danken Martin Gredig für das Interview.

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