Accounting und Controlling

Neues Rechnungslegungsrecht: <BR>Was sich beim Thema Rückstellungen ändern wird Teil 3/4

05. September 2012

Die Revision des Rechnungslegungsrechts hatte eine Modernisierung nach dem Konzept der fair presentation zum Ziel. Im Bereich der Rückstellungen bleibt eine Reihe von Fragen unbeantwortet. In den ersten beiden Teilen zum Thema Rückstellungen habe ich das Konzept hinter der Bildung von Rückstellungen vorgestellt und was die Haltung der Steuerbehörde ist. Nun erläutere ich, wofür Rückstellungen gebildet werden und welche Auswirkungen die Rückstellungen in der Bilanz nach sich ziehen.

Garantierückstellung

Unternehmen können grundsätzlich je nach Kanton eine pauschale Garantierückstellung von bis zu 4 Prozent auf dem aktuellen Jahresumsatz mit Dritten bilden. Dabei ist jedoch nachzuweisen, dass die Garantierisiken im Garantiefall auch tatsächlich durch das Unternehmen getragen werden. Bildet die steuerpflichtige Person Garantierückstellungen, geht die Steuerverwaltung davon aus, dass diese handelsrechtlich notwendig sind. Die Neubildung einer Garantierückstellung ist deshalb handelsrechtlich zu begründen, wenn in den Vorjahren Auflösungen erfolgten, welche nicht auf einen Umsatzrückgang zurückzuführen sind.

Rückstellung für Haftungs- und Prozessrisiken

Beratungsunternehmen können für Haftungsrisiken im Zusammenhang mit ihrer Geschäftstätigkeit eine pauschale Rückstellung von 2 Prozent des aktuellen Jahresumsatzes mit Dritten bilden.
Andere Unternehmen können für Haftungsrisiken im Zusammenhang mit der Geschäftstätigkeit grundsätzlich keine pauschalen Rückstellungen bilden.
Ist jedoch ein Prozess hängig, kann die steuerpflichtige Person nach dem Vorsichtsprinzip auf den ungünstigsten Prozessausgang abstellen. Sie kann für die mutmasslichen Verbindlichkeiten, die sich aus der Prozessanhebung voraussichtlich ergeben sowie für die Prozesskosten, eine Rückstellung bilden. Die blosse Drohung mit einer Klage rechtfertigt keine Rückstellung.

Rückstellung für Grossreparaturen von Liegenschaften

Für Grossreparaturkosten, welche erfahrungsgemäss nur in grösseren Zeitabständen anfallen (Fassadenerneuerungen, Ersatz von Heizungsanlagen, Dachrenovationen etc.), kann ohne besonderen Nachweis jährlich eine Rückstellung von 1 Prozent des Gebäudebuchwertes (d.h. Gebäude ohne Boden) am Ende des Geschäftsjahres gebildet werden. Die gesamte Rückstellung darf 10 Prozent des Gebäudebuchwertes nicht übersteigen. Allfällige Einlagen in einen Erneuerungsfonds (z.B. bei Baugenossenschaften und Stockwerkeigentümer-Gemeinschaften) sind bei der Bestimmung des maximal zulässigen Umfangs mit zu berücksichtigen.
Die tatsächlichen Ausgaben für grössere Reparaturen sind dem Rückstellungskonto zu belasten. Werden Grossreparaturen zweckwidrig nicht der dafür gebildeten Rückstellung belastet oder wird die Rückstellung für geschäftsmässig nicht begründete Kosten verwendet, ist der entsprechende Teil der Rückstellung als Gewinn und als Kapital zu besteuern. Bei Veräusserung einer Liegenschaft ist die Renovationsrückstellung erfolgswirksam aufzulösen. Wird nur eine von mehreren Liegenschaften veräussert, ist die Renovationsrückstellung anteilsmässig aufzulösen.

Rückstellung für Rückbauten (Abbruch von Gebäuden)

Besteht die Absicht, ein Gebäude abzubrechen, und zeichnet sich ab, dass die ordentlichen Abschreibungen nicht ausreichen, um das Gebäude bis zum Abbruchzeitpunkt vollständig abzuschreiben, kann die Differenz als Rückstellung geltend gemacht werden. Die Differenz reduziert sich um die Rückstellung für Grossreparaturen. Die danach noch notwendige Rückstellung ist auf Grund der verbleibenden Nutzungsdauer linear auf die entsprechenden Geschäftsjahre zu verteilen. Der Erneuerungsfonds darf nicht mehr weiter erhöht werden. Im Zeitpunkt des Abbruchs ist die Rückstellung für Grossreparaturen und jene für Rückbauten vollständig aufzulösen. Die Absicht des Abbruchs muss mittels Beschluss der zuständigen Organe und aufgrund von ersten Planungsarbeiten (Machbarkeitsstudien, baurechtliche Abklärungen über Zulässigkeit eines Abbruchs etc.) nachgewiesen werden.

Rückstellung für Arbeitgeberbeitragsreserven

Die Arbeitgeberbeitragsreserven von Einrichtungen der obligatorischen und überobligatorischen beruflichen Vorsorge dürfen das Fünffache der von der Arbeitgeberfirma gemäss Reglement der Vorsorgeeinrichtung zu erbringenden Jahresbeiträge nicht übersteigen. Sofern diese Limite noch nicht erreicht ist, können entsprechende Zahlungen zu Lasten des laufenden Geschäftsjahres erfolgen.
Zahlungen in die Arbeitgeberbeitragsreserven stellen periodenfremde Zuwendungen an Vorsorgeeinrichtungen dar. Diese sind nur abziehbar, wenn sie unwiderruflich erbracht werden. Ein Rückfluss an den Arbeitgeber muss ausgeschlossen sein. Die Bildung transitorischer Passiven oder einer Rückstellung für Arbeitgeberbeitragsreserven genügt diesen Anforderungen nicht. Die entsprechenden Mittel müssen vielmehr effektiv an die Vorsorgeeinrichtung überwiesen und die Beitragsreserven müssen von der Vorsorgeeinrichtung separat ausgewiesen werden.

Rückstellung für Steuern

Obwohl die Steuern erst im Folgejahr fällig werden, sind sie für das abgelaufene Geschäftsjahr geschuldet und können somit bei den juristischen Personen am Bilanzstichtag als geschäftsmässig begründet zurückgestellt werden. Dies gilt auch für Steuernachforderungen aus Vorjahren, welche noch nicht beim steuerbaren Reingewinn in Abzug gebracht worden sind. Davon ausgenommen sind die Steuerbussen sowie kantonal die Handänderungssteuern.

Rücklagen

Rücklagen sind nur für Forschungs- und Entwicklungsaufträge zulässig, deren Vergabe an Dritte geplant ist und die innert angemessener Frist auch tatsächlich in Auftrag gegeben werden. Die Rücklagen sind erfolgswirksam aufzulösen, wenn innerhalb von drei Jahren keine Aufwendungen für Forschung und Entwicklung getätigt werden. Sofern entsprechende Aufwendungen getätigt werden, sind diese zu Lasten der Rücklagen zu verbuchen.
Lesen Sie im vierten Beitrag zum Thema, welche Auswirkungen die Bildung bzw. Auflösung von Rückstellungen auf die Bilanz haben.

Thema: Accounting und Controlling

Autor: Peter Frehner

Datum: 05. September 2012

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