Accounting und Controlling

Neues Rechnungslegungsrecht:<BR> Was sich beim Thema Rückstellungen ändern wird Teil 1/4

22. August 2012

Das revidierte Rechnungslegungsrecht unterscheidet nicht mehr nach Rechtsformen, sondern sieht gleiche Regeln für Wirtschaftssubjekte gleicher Grösse vor. Das neue Recht geht zurück auf die Botschaft zur Änderung des Obligationenrechts vom 21. Dezember 2007. Daraus hat das Parlament das Rechnungslegungsrecht vorgezogen und als Gesetz beschlossen; die Vorlage zum Aktienrecht folgt zu einem späteren Zeitpunkt. Der Bundesrat muss das neue Rechnungslegungsrecht noch in Kraft setzen, voraussichtlich auf Anfang 2013. Wegen der Übergangsfrist werden die neuen Regeln aller Voraussicht nach auf 2015 anwendbar sein und jene für Konzerne auf 2016.

Die Ziele der Gesetzesrevision waren, die Rechnungslegung zu modernisieren und nach dem Konzept der fair presentation auszuformulieren. In der verabschiedeten Gesetzesvorlage kommen die Absichten jedoch nur bruchstückhaft zum Ausdruck, viele der im Vernehmlassungsentwurf enthaltenen Modernisierungsversuche sind verworfen worden und hinterlassen unbeantwortete Fragen, gerade im Bereich der Rückstellungen, welche im Zentrum dieses Artikels stehen.

Was ist das Konzept hinter der Bildung von Rückstellungen? 

Verbindlichkeiten müssen gemäss OR 960E zum Nennwert bilanziert werden. Neu sind die Voraussetzungen für die Bildung von Rückstellungen definiert. Lassen vergangene Ereignisse einen Mittelabfluss in künftigen Geschäftsjahren erwarten, so müssen die voraussichtlich erforderlichen Rückstellungen zulasten der Erfolgsrechnung gebildet werden. Im Gegensatz zum geltenden Recht sind nach dem Entwurf auch Sachverhalte offenzulegen, bei denen der Betrag zumindest vorerst nicht verlässlich abgeschätzt werden kann.
Im Anhang der Jahresrechnung sind daher Angaben zum Rückstellungsbedarf zu machen. Rückstellungen – die Aufzählung ist nicht abschliessend –  dürfen insbesondere gebildet werden für:

  • regelmässig anfallende Aufwendungen aus Garantieverpflichtungen,
  • Sanierungen von Sachanlagen,
  • Restrukturierungen sowie für die Sicherung des dauernden Gedeihens des Unternehmens.

Nicht mehr begründete Rückstellungen müssen explizit nicht aufgelöst werden. Erfolgt eine Auflösung, so ist der Gesamtbetrag in der Erfolgsrechnung oder im Anhang gesondert auszuweisen. Damit geht der Entwurf weiter, als das bisherige Recht und steht im Widerspruch mit den erneuerten Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften und dem deklarierten Ziel der „zuverlässigen Beurteilung“.

Wofür werden Rückstellungen gebildet?

Von den Rückstellungen zu unterscheiden sind die Wertberichtigungen und die Schwankungsreserven, welche das neue Gesetz zulässt. Wertberichtigungen sind auf einmalige Vorgänge ausgerichtete, nicht planmässige Wertkorrekturen zu Posten des Umlauf- oder Anlagevermögens. Sie werden nicht obligatorisch gesondert ausgewiesen. Beziehen sie sich auf das Umlaufvermögen, werden sie gewöhnlich mit dem entsprechenden betrieblichen Aufwand erfasst. Eine Abschreibung auf Warenlager ist demzufolge eine Wertberichtigung; sie geht in den Posten Warenaufwand ein.

Aktiven mit Börsenkursen können am Bilanzstichtag zum Börsenkurs bewertet werden, auch wenn dieser über dem Nennwert oder dem Anschaffungswert liegt (OR 960b I E). Werden Aktiven zum Börsenkurs am Bilanzstichtag bewertet, so darf eine Wertberichtigung zulasten der Erfolgsrechnung gebildet werden, um Schwankungen im Kursverlauf Rechnung zu tragen. Solche Wertberichtigungen sind jedoch nicht zulässig, wenn dadurch sowohl der Anschaffungswert als auch der allenfalls tiefere Kurswert unterschritten würden. Der Betrag der Schwankungsreserve ist insgesamt in der Bilanz oder im Anhang gesondert auszuweisen (OR 960b II E).

Rückstellungen müssen zulasten der Erfolgsrechnung gebildet werden, sobald vergangene Ereignisse einen Mittelabfluss in künftigen Geschäftsjahren erwarten lassen. Wo für Risiken Rückstellungen zu bilden sind, dürfen diese nicht mit den Abschreibungen zusammengerechnet werden. Sie sind entweder dem sachlich entsprechenden Aufwandposten zuzuordnen oder in einem gesonderten Posten auszuweisen. Rückstellungen haben mit den Abschreibungen zwar gemeinsam, dass es sich um nicht bargeldwirksame Aufwandposten handelt.

Im Gegensatz zu den Abschreibungen sind Rückstellungen aber Belastungen der Jahresrechnung für regelmässig anfallende Aufwendungen aus Garantieverpflichtungen, Sanierungen von Sachanlagen, Restrukturierungen sowie für die Sicherung des dauernden Gedeihens des Unternehmens. Die Aufzählung ist nicht abschliessend. So sind Rückstellungen für ungewisse Verpflichtungen und drohende Verluste aus schwebenden Geschäften weiterhin zulässig.

Lesen Sie im kommenden Beitrag, was die Haltung der Steuerbehörde zu dieser Frage ist.

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