HR und Leadership

Case Management – was, wie, wann

04. Juni 2012

Case Management ist in aller Munde. Neben unabhängigen Anbietern haben aber auch fast alle Versicherer und viele Unternehmen ihr eigenes Case Management. Das führt dazu, dass der Begriff Case Management heute sehr unterschiedlich verwendet wird.

Die Definition des Netzwerk Case Management Schweiz lautet:

„Case Management ist ein spezifisches Verfahren zur koordinierten Bearbeitung komplexer Fragestellungen im Sozial-, Gesundheits- und Versicherungsbereich. In einem systematisch geführten, kooperativen Prozess wird eine auf den individuellen Bedarf abgestimmte Dienstleistung erbracht bzw. unterstützt, um gemeinsam vereinbarte Ziele und Wirkungen mit hoher Qualität effizient zu erreichen. Case Management stellt einen Versorgungszusammenhang über professionelle und institutionelle Grenzen hinweg her. Es respektiert die Autonomie der Klientinnen und Klienten, nutzt und schont die Ressourcen im Klient- sowie im Unterstützungssystem.“

Case Management ist also eine Methode, die vor allem im Zusammenhang mit gesundheitlichen Einschränkungen angewandt wird. Oberstes Ziel des betrieblichen Case Managements ist es, dem Mitarbeiter oder der Mitarbeiterin den Arbeitsplatz zu erhalten und sie wieder dorthin zu führen. In Ausnahmefällen wird für den Mitarbeiter eine neue berufliche Herausforderung bei einem anderen Arbeitgeber gesucht.

Wann soll ein Case Management eingeschaltet werden?

Im Idealfall braucht es kein Case Management, weil der Arbeitgeber bereits frühzeitig merkt, dass eine Unterstützung bei einem Mitarbeiter angebracht wäre. Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Auch Mitarbeitende selber erkennen nicht immer rechtzeitig, dass ihre Gesundheit beeinträchtigt wird und externe Hilfe sinnvoll wäre. Als Arbeitgeber sollte ich spätestens dann ein Case Management einschalten, wenn ein Mitarbeiter länger krank ist – bzw. vorhersehbar länger ausfällt, die Reintegration gefährdet ist oder wenn der Mitarbeiter immer wieder fehlt. Eine absolute Zeit lässt sich nicht definieren – wichtig ist, dass Vorgesetze reagieren und ein Case Management verlangen.

Wir stellen immer wieder fest, dass selten die beruflichen Belastungen der alleinige Faktor für den Krankheitszustand einer Person ist. Ausnahmen stellen teilweise Fehlbelastungen von Gelenken und Rücken dar oder gesundheitsbeeinträchtigende Berufe. Nebst Erkrankungen können aber auch Unfälle oder Lebenskrisen Grund dafür sein, ein Case Management zu installieren.

Ein Case Manager muss in vier Bereichen Kompetenzen mitbringen:

  • Psychosozial: Coaching, Koordinieren, Begleitung in schwierigen Situationen
  • Medizinisch
  • Beruflich: Berufsberatung, Arbeitsplatzabklärung
  • Versicherungsrechtlich: Kenntnisse der Sozialversicherung und deren Leistungen

Wird ein Auftrag extern vergeben, sollte darauf geachtet werden, dass sowohl der Klient als auch die auftraggebende Stelle sich mit dem Case Manger verstehen; idealerweise kann sich der Klient in seiner Muttersprache mit dem Case Manager unterhalten. Von Vorteil ist ebenfalls, wenn der Case Manager den kulturellen Hintergrund und Besonderheiten der geografischen Herkunft des Klienten kennt.

Die Dauer eines Case Management ist sehr unterschiedlich

Durchschnittlich dauert ein Case Management 9 Monate. In Einzelfällen kann ein Case Management auch bereits nach 3 Monaten wieder abgeschlossen werden. Bei besonderen Bedürfnissen des betreuten Klienten kann ein Case Management aber auch mehrere Jahre dauern. Letzteres ist jedoch die Ausnahme.

Wann soll ein Case Management abgebrochen werden?

Voraussetzung für ein Case Management ist die Freiwilligkeit seitens des Klienten. Ohne Freiwilligkeit, kein Case Management. Stellt der Case Manager fest, dass der Klient nicht bereit ist mitzuarbeiten oder kein Interesse an einer Reintegration zeigt, dann sollte das Case Management abgebrochen werden. Geht es in Richtung Invalidisierung ist individuell zu beurteilen, ob und wie lange ein Case Management noch weitergeführt werden soll.

Da heute viele Versicherer ein Case Management anbieten – v.a. Krankentaggeld- und Unfallversicherer – könnte der Arbeitgeber sich auch auf den Standpunkt stellen, wir melden den Mitarbeiter nach einer bestimmten Dauer einfach bei der Versicherung. Dabei wird aber vergessen, dass die Interessen der Versicherer und des Arbeitgebers nur beschränkt deckungsgleich sind.

Ein Krankentaggeldversicherer hat ein Interesse, das auf ca. 2 Jahre beschränkt ist; der Unfallversicherer hat ebenfalls seine eigenen Kosten im Hauptfokus. Für einen Arbeitgeber ist aber der Erhalt des Know-How, des Menschen im Vordergrund. Nicht zuletzt kann Case Management auch als Zeichen der Wertschätzung anerkannt werden. Zudem ist der Arbeitgeber viel näher bei den Mitarbeitenden als ein Versicherer. Ein vorausschauender und verantwortungsbewusster Arbeitgeber wird selbst aktiv.

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