Accounting und Controlling

CFO-Interview: Und zweitens mit Szenarien arbeiten denn erstens kommt es anders

14. Mai 2012

Als CFO sollte man sich im Klaren darüber sein, dass sich insbesondere in einem volatilen wirtschaftlichen Umfeld Prognosen nicht immer bewahrheiten und die Umsetzung von Plänen oft nicht 1:1 erfolgt. Karsten Boyens, CFO des Kosmetikunternehmens La Prairie Group, plädiert deshalb dafür, in Szenarien zu denken und Risiken und Reserven aktiv zu steuern.

Welche spezifische Aus- und Weiterbildung ist für die Rolle eines CFO unbedingt erforderlich?

Eine betriebswirtschaftliche Ausbildung ist sicher hilfreich, aus meiner Sicht aber nicht unbedingt erforderlich. Auch aus anderen Disziplinen heraus kann man sich zum CFO entwickeln.
Essentiell sind für mich analytische Fähigkeiten, gute Kommunikation und ein gesunder Menschenverstand.

Was sind die grössten Fehler, die man beim Führen einer Finanzabteilung machen kann?

  • Die Verbindung zum Geschäft zu verlieren.
  • Die Bedeutung solider grundlegender Finanzprozesse zu unterschätzen (korrekte Buchhaltung, stabile Systeme etc.).
  • Bei den Zahlen aufzuhören und nicht die Entwicklungen/Implikationen dahinter zu erkennen und aufzuzeigen.

Welches sind von der zeitlichen Beanspruchung her Ihre drei wichtigsten Aufgaben bzw. Tätigkeiten?

  • Operative Finanzprozesse (Reporting, Forecasting, Planung) und Controlling sicherstellen
  • Unternehmensstrategische oder – strukturelle Projekte
  • Mitarbeiterführung

Welchen Anteil hat der Finanzchef an der strategischen Gestaltung und Entwicklung des Unternehmens?

Eine ganz wichtige. Durch den Zugang zu wesentlichen betriebswirtschaftlichen Informationen im Unternehmen hat der CFO geradezu einen Fundus für aufschlussreiche Analysen. Diese sollte er nutzen, um die wichtigen Entscheidungen im Unternehmen faktenbasiert und rational zu beeinflussen.

Als CFO sind Sie in viele Projekte involviert. Wie gehen Sie vor, um eine Verzettelung zu vermeiden?

Grundvoraussetzung ist erst einmal, dass Projekte gut aufgesetzt sind. Dass heisst, es muss ein klares Briefing geben, das Projektziele definiert, Projektleiter und Teammitglieder benennt etc.

Zudem kann man nicht alles selber machen, sondern sollte auf seine Mitarbeiter vertrauen. Dies ist im Übrigen nicht nur für einen selbst gut, weil es „Verzettelung“ vermeidet, sondern auch für die Mitarbeiter, die dann eigenverantwortlich Themen bearbeiten können.

Was sind die grössten Herausforderungen an eine Finanzabteilung in einem sich immer schneller wandelnden Umfeld?

In der finanziellen Steuerung eines Unternehmens muss man sich darauf einstellen, dass sich einmal aufgestellte Pläne nicht 1:1 realisieren lassen oder sich Prognosen allenfalls nicht bewahrheiten. Dies bedeutet, man muss in Szenarien denken sowie Risiken und Reserven aktiv steuern.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, die kaufmännische Sinnhaftigkeit von immer schneller zu treffenden Entscheidungen sicherzustellen, ohne den Betrieb aufzuhalten.

Was sind aus Sicht der Finanzierung Eigenheiten in der  Branche?

Unser Geschäft ist relativ wenig kapitalintensiv und in unserem Unternehmen auf eine solide Eigenkapitalbasis gestützt.

In was haben Sie Ihr erstes selbstverdientes Geld investiert?

Einen roten VW Golf I aus dem Baujahr 1978, den ich gefahren habe, bis vom TÜV die Plakette abgekratzt wurde.

Wir danken Dr. Karsten Boyens für das Interview.

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