HR und Leadership

Veränderungen in der Rekrutierung von Bankfachleuten aufgrund der Finanzkrise

16. April 2012

Die Auswirkungen der Finanzkrise, die Konsolidierung in der Finanzbranche und das immer grösser werdende Misstrauen gegenüber den Finanzinstituten haben längst auch den Arbeitsmarkt im Bankensektor erreicht. Es besteht eine grosse Verunsicherung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Bei den Grossbanken erfolgen Restrukturierungen in einer immer höheren Kadenz. Kleinere Bankinstitute machen mit Fusionen, Übernahmen und Schliessungen Schlagzeilen und tragen ebenfalls nicht zur Beruhigung bei. Verständlicherweise macht sich in diesem Umfeld bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum Teil eine Angst um den Arbeitsplatz breit. Innerbetrieblich führt dies dazu, dass man sich einerseits am bestehenden Arbeitsplatz besonders Mühe gibt die eigene Stelle nicht zu verlieren, oder wenn man sich beruflich verändern will, sehr planvoll und diskret nach einer neuen Stelle sucht.

Bei der Stellenbesetzung spürt man, dass die  Bewerber sehr vorsichtig sind. Die Situation und besonders die Zukunft des neuen potenziellen Arbeitgebers werden dabei gründlich ausgeleuchtet. Auf alle Fälle wollen die Kandidaten vermeiden, dass sie bei einem neuen Arbeitgeber in eine Job-Unsicherheit geraten.

Eigenständigkeit, Unabhängigkeit, Strategie, Finanzsicherheit, Reputation, Stabilität, Flexibilität und ein klares Geschäftsmodell sind zu wesentlichen Faktoren geworden, die für Bewerber bei der Wahl des neuen Arbeitgebers sehr wichtig sind. Sogar bei gesuchten Bewerberprofilen, wie Kundenberater im Private Banking, nehmen diese Faktoren an Wichtigkeit zu. Ein möglichst hohes Salär und zusätzliche Leistungen spielen nach wie vor eine wichtige Rolle, stehen aber nicht mehr an erster Stelle.

Für den Arbeitgeber ist es daher sehr wichtig, als sicher und beständig wahrgenommen zu werden. Darüber hinaus ist der Arbeitgeber gefordert, dem Bewerber seine Ängste nehmen zu können. Die Bewerber nehmen sich viel mehr Zeit bei der Stellensuche. Sie sind viel kritischer, was den neuen Arbeitgeber betrifft und hinterfragen Fakten, Zahlen, Presseberichte und Geschäftsstrategien. Zukunftsaussichten und Beständigkeit des neuen Arbeitgebers sind den Bewerbern sehr wichtig. Für den Arbeitgeber bedeutet dies, dass er sich auf ein längeres Bewerbungsverfahren einzustellen hat und seine Aussagen gegenüber Bewerbern aussagekräftig und klar sind.

Da die Unsicherheit bei einigen Banken sehr gross ist, sind entsprechend viele Bewerber auf Stellensuche. Es bietet sich daher für den Arbeitgeber in der heutigen Zeit vermehrt die Chance, sehr gute Kandidatinnen und Kandidaten für eine Stelle zu gewinnen, wenn er sich genügend Zeit nimmt und einen strukturierten, zielgerichteten Rekrutierungsprozess verfolgt. Eine klare Geschäftsstrategie und Beständigkeit wirken attraktiv für qualifizierte Bankangestellte und stärken die Position des Arbeitgebers auf dem Stellenmarkt. Gute Arbeitskräfte danken es solchen Arbeitgebern mit Einsatz und Leistung. Somit bietet die Finanzkrise den starken Finanzinstituten die Chance, sehr gute Arbeitskräfte anzuwerben und somit gestärkt in die Zukunft gehen zu können. Qualifizierte Bewerber ihrerseits haben nach wie vor beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

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