Accounting und Controlling

CFO-Interview: Vorschriften, Regulierungen und Gesetze für KMU herausfordernd

30. April 2012

Marcel Isler - CFO-Interview: Vorschriften, Regulierungen und Gesetze für KMU herausforderndDie Finanzabteilung eines Unternehmens darf nicht nur Mittel zum Zweck sein, sondern sie muss vielmehr in die strategische Planung eines Unternehmens eingebunden werden. Ein CFO sei Sparring Partner des CEO, sagt Marcel Isler, CFO des Internetvergleichsdienstes comparis AG. Um in einer dynamischen Branche rasch erfolgversprechende Projekte anstossen zu können, sollte ein CFO dafür sorgen, dass genügend Liquidität bereitsteht. Doch abgesehen vom Fachwissen sind interessierte Mitarbeitende für Isler ein entscheidender Erfolgfaktor. Als herausfordernd bezeichnet Isler die Regulierungsdichte.

 

Welche spezifische Aus- und Weiterbildung ist für die Rolle eines CFO unbedingt erforderlich?

Eine fundierte Grundausbildung in Sachen Finanzen und Betriebswirtschaft ist zentral. Ob dieses Fachwissen im Rahmen eines Hochschulstudiums oder einer berufsbegleitenden höheren Fachausbildung erlangt wird, spielt weniger eine Rolle. Beide Wege sind zielführend und stark von den persönlichen Präferenzen des Einzelnen abhängig. Von übergeordneter Wichtigkeit hingegen stufe ich die Fähigkeit ein, innerhalb der Unternehmung die Zusammenhänge, auch bereichsübergreifend, erkennen zu können und daraus entsprechende Massnahmen abzuleiten. Diese gilt es, aus einer finanziellen Warte im Sinne der strategischen Zielsetzung der Unternehmung erfolgreich umzusetzen. Ferner sind themenspezifische Weiterbildungen durchaus sinnvoll, man sollte sich nur zuerst fragen, wie diese der täglichen Arbeit dienlich sind. Als Alternative bzw. zur Ergänzung ist der fachliche Austausch mit Berufskollegen (Best Practices) oder die Teilnahme an entsprechenden Foren, z.B. CFO Forum Schweiz hilfreich und dient nebenbei dem Ausbau des persönlichen Netzwerkes.

Was sind die grössten Fehler, die man beim Führen einer Finanzabteilung machen kann?

Zu denken, die Finanzabteilung sei lediglich ein Mittel zum Zweck. Durch geschicktes Handeln und strategische Einbindung der Finanzabteilung kann für die Unternehmung ein bedeutender Mehrwert geschaffen werden. Traditionell denke ich da z.B. an die Vereinfachung von Prozessen, die Optimierung von Kosten oder die Effizienzsteigerung des Einsatzes von IT. Genauso wichtig ist aber auch die Unterstützung bei der Identifizierung und Erschliessung von neuen Marktpotentialen und der daraus resultierenden Umsatzsteigerung.

Welches sind von der zeitlichen Beanspruchung her Ihre drei wichtigsten Aufgaben bzw. Tätigkeiten?

Der Planungsprozess für das Folgejahr nimmt viel Zeit in Anspruch. Um die strategische Sicht adäquat abzubilden sowie die Bedürfnisse der Bereiche mitberücksichtigen zu können, starten wir bereits Ende September mit dem dazugehörigen Prozess. Dieser wird kaskadisch abgearbeitet und beschäftigt uns bis ins Folgejahr.

Eine weitere Aufgabe, die viel Zeit beansprucht, ist die Mitarbeit in der Geschäftsleitung. Insbesondere, weil ich in diesem Gremium zu Themen Stellung nehmen muss, welche nicht alle zu meinen fachlichen Kernkompetenzen gehören. Wichtig ist daher eine sorgfältige Vorbereitung, um anschliessend Entscheidungen treffen zu können.

Last but not least – die Führung der Mitarbeiter. Gute Mitarbeiter sollten, zu Recht, auch anspruchsvolle Gegenüber sein, die mitdenken und unternehmerisch an die Sache rangehen – auch im Kleinen. Dies bedeutet, dass ich mir Zeit nehmen muss, mich mit ihren Anliegen, Vorschlägen und Kritiken auseinander zu setzen. Dies führt in der Konsequenz aber auch dazu, dass ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden kann, welches mir erlaubt, mich 100 Prozent auf meine Mitarbeiter zu verlassen.

Welchen Anteil hat der CFO an der strategischen Gestaltung und Entwicklung des Unternehmens?

Die Rolle des CFO hat sich stark gewandelt, weg von einem reinen Buchhalter-Typ mit Zusatzaufgaben hin zu einem wichtigen Pfeiler der Geschäftsleitung mit strategischer Ausrichtung. Als Sparring Partner des CEO fungiert der CFO als finanzielles Gewissen der Unternehmung mit einem stark bereichsübergreifenden Verständnis. In dieser Funktion hat er drei primäre Aufgaben zu meistern.

  • Erstens muss er die finanzielle Planung verantworten, diese vorantreiben und dem Verwaltungsrat zur strategischen Entscheidungsfindung vorlegen.
  • Zweitens ist er um das finanzielle Wohlergehen der Unternehmung bemüht und bewegt sich dabei im Spannungsfeld zwischen Liquidität, Sicherheit und Rentabilität.
  • Drittens muss er entsprechende Kontrollmechanismen und Führungsinstrumente zur Verfügung stellen. Mit diesen können die Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat die finanzielle Führung im Hinblick auf die strategischen Ziele vornehmen.

Als CFO sind Sie in viele Projekte involviert. Wie gehen Sie vor, um eine Verzettelung zu vermeiden?

Mit rund 100 Mitarbeitern ist comparis.ch kein Grossunternehmen. Dies macht es nötig, dass alle anpacken und sich einbringen. Dies gilt auch für den CFO. Aber ohne zuverlässige Mitarbeiter geht es nicht. Sie erlauben mir, dank ihrer Kompetenz und Unterstützung, Aufgaben zu delegieren. Natürlich haben eine strikte Terminplanung, deren Einhaltung und die klare Triage von Prioritäten ebenfalls grossen Einfluss auf das Gelingen. Dies ermöglicht es mir, meine Aufgaben bestmöglich zu erledigen.

Was sind die grössten Herausforderungen an eine Finanzabteilung in einem sich immer schneller wandelnden Umfeld?

Hier sehe ich mehrere Kernelemente. Zum einen sind der Aufbau und die Sicherstellung von Know-how ganz hoch zu halten. Damit direkt in Verbindung steht die Rekrutierung, Haltung und Förderung von fähigen und interessierten Mitarbeitern, die auch wagen, von Zeit zu Zeit über den Tellerrand hinaus zu schauen. Zum anderen sind die sich laufend ändernden Vorschriften und Regulierungen sowie Steuern und Gesetze für KMU wie comparis.ch oft herausfordernd und der Sache nicht immer dienlich.

Was sind aus Sicht der Finanzierung Eigenheiten in der Branche?

Wir bewegen uns in einem sehr dynamischen Umfeld. Dieses bringt mit sich, dass wir schnell auf veränderte Situationen reagieren müssen. Um dies gewährleisten zu können, nehmen die Sicherstellung von genügend Liquidität und das Cash Management einen hohen Stellenwert ein. Dies hat zur Folge, dass nicht jedes interessante Projekt ohne weiteres durchgeführt werden kann, da die Priorisierung auch unter dem Aspekt der Finanzierbarkeit gemacht werden muss. Diese Hürde muss überwunden werden.

In was haben Sie Ihr erstes selbstverdientes Geld investiert?

Das war noch während meiner Ausbildung. Der Film Wall Street lief in den Kinos. Das hat mich alles sehr fasziniert und ich habe mein mühsam Erspartes in Optionen investiert. Was soll ich sagen: manchmal gewinnt man, manchmal verliert man. Wichtig dabei ist, dass man daraus seine Lehren zieht.

Wir danken Marcel Isler für das Interview.

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