Accounting und Controlling

Kapitaleinlageprinzip: Auswirkungen auf die Steuerdeklaration 2011

21. März 2012

Seit dem 1. Januar 2011 gilt das Kapitaleinlageprinzip an Stelle des Nominalwertprinzips. Neu lassen sich nach dem 31. Dezember 1996 geleistete Kapitaleinlagen (Agioeinlagen) steuerfrei an Aktionäre zurückführen. Die Steuerfreiheit solcher Ausschüttungen aus Kapitaleinlagen betrifft nicht nur die Verrechnungssteuer, sondern auch die Einkommenssteuer auf Ebene der Privataktionäre mit Wohnsitz in der Schweiz. Unabhängig davon, ob die Dividende von einer Schweizer oder einer ausländischen Gesellschaft stammt, ist diese für den empfangenden, in der Schweiz wohnhaften Privataktionär einkommenssteuerfrei, soweit sie auf einer Ausschüttung von Kapitaleinlagereserven beruht. Entsprechend kommt der Qualifikation einer Dividende als Ausschüttung aus den Kapitaleinlagereserven für den Aktionär entscheidende Bedeutung zu. Um Dividendeneinkünfte aus in- und ausländischen Gesellschaften in der Steuererklärung 2011 richtig deklarieren zu können und somit bei Dividenden aus Kapitaleinlagereserven die Einkommenssteuerfreiheit in Anspruch nehmen zu können, muss der Steuerpflichtige über die Information verfügen, ob es sich bei den im Kalenderjahr 2011 vereinnahmten Dividenden um Ausschüttungen aus Kapitaleinlagereserven handelt oder nicht.

Die Bedeutung des Kapitaleinlageprinzips wird durch die Höhe der gemeldeten Kapitaleinlagereserven ersichtlich. Bis Ende 2011 wurden Kapitaleinlagereserven von insgesamt CHF 654 Mrd. bei der Eidg. Steuerverwaltung (ESTV) gemeldet. Die gemeldeten Rückzahlungen aus diesen Reserven beliefen sich im Jahr 2011 auf CHF 24 Mrd.

Dividendeneinkünfte aus Schweizer Gesellschaften

Für in der Schweiz kotierte Aktien weist die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) in der jährlich publizierten Kursliste (vgl. http://www.ictax.admin.ch/static/de/index.html) darauf hin, in welchem Umfang ausgerichtete Dividenden den Reserven aus Kapitaleinlagen belastet wurden und somit von der Einkommenssteuer befreit sind. Entsprechend verfügen die Steuerpflichtigen für Dividenden schweizerischer börsenkotierter Gesellschaften über die erforderlichen Informationen für die korrekte Deklaration in der Steuererklärung 2011. Da auch nicht börsenkotierte Gesellschaften einerseits verpflichtet sind, die Höhe ihrer Kapitaleinlagereserven der ESTV zu melden, und andererseits der Gewinnverwendungsbeschluss explizit die Ausschüttung von Kapitaleinlagereserven vorsehen muss, ist auch den Aktionären von nicht börsenkotierten schweizerischen Gesellschaften bekannt, in welchem Umfang sie steuerfreie Dividenden aus Kapitaleinlagereserven vereinnahmt haben.

Dividendeneinkünfte aus ausländischen Gesellschaften

Wesentlich anders stellt sich die Situation bei Dividendeneinkünften aus ausländischen Gesellschaften dar. Die ESTV publiziert in ihrer Kursliste nur für wenige ausgewählte ausländische Titel, in welchem Umfang ausgerichtete Dividenden den Reserven aus Kapitaleinlagen belastet wurden und somit von der Einkommenssteuer befreit sind. Für alle anderen Gesellschaften muss der Steuerpflichtige selbst den Nachweis erbringen, dass er eine Dividende aus Kapitaleinlagereserven erhalten hat. Dies gilt mangels Vorliegen öffentlich zugänglicher Informationen in jedem Fall für Dividenden aus nicht börsenkotierten Unternehmen.

Die Geltendmachung steuerfrei rückzahlbarer Reserven aus Kapitaleinlagen ausländischer Gesellschaften setzt voraus, dass diese im Jahresabschluss der ausländischen Gesellschaften gesondert ausgewiesen sind oder ein anderer Nachweis über das Vorliegen und die Rückzahlung von Reserven aus Kapitaleinlagen erbracht werden kann. Für die Beurteilung von Ausschüttungen ausländischer Gesellschaften ist dabei die Steuerbehörde des Wohnsitzkantons des Dividendenempfängers zuständig. Nach unseren ersten Erfahrungen tun sich die kantonalen Steuerverwaltungen teilweise schwer, allgemeine verbindliche Regeln festzusetzen, wie der Nachweis von Dividenden aus Kapitaleinlagereserven bei ausländischen Gesellschaften zu erbringen ist.

Einkommenssteuerfreies Ausschüttungssubstrat nachweisen

Durch die Einführung des Kapitaleinlageprinzips sind für den in der Schweiz wohnhaften Privataktionär Dividenden, die auf der Ausschüttung von Kapitaleinlagereserven beruhen, steuerfrei. Der Nachweis, dass es sich um derartige, steuerfreie Dividendeneinkünfte handelt, obliegt dem Steuerpflichtigen. Bei Dividenden aus dem Ausland ist dieser Nachweis gegenüber dem kantonalen Steueramt zu erbringen. Einen solchen Nachweis zu erbringen dürfte im Einzelfall nicht immer einfach sein. Dennoch kann sich der Aufwand unter Umständen lohnen.

Hält zum einen ein inländischer Aktionär ein bedeutendes Aktienpaket an einer ausländischen Gesellschaft, so kann es aufgrund der absoluten Höhe der Dividendenzahlung lohnenswert sein, die Herkunft dieser Dividende genauer zu prüfen.
Zum anderen zu denken ist an in der Schweiz wohnhafte Aktionäre ausländischer Familiengesellschaften, denn die steuerliche Feststellung von Reserven aus Kapitaleinlagen kann  einkommenssteuerfreies Ausschüttungssubstrat generieren.
In diesen beiden Fällen stellt die Erläuterung der durch das Kapitaleinlageprinzip geschaffenen Möglichkeit von steuerfreien Dividendeneinkünften und die Unterstützung bei der Ermittlung der Kapitaleinlagereserven eine wertvolle Dienstleistung des Steuerberaters oder Treuhänders dar.

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