HR und Leadership

Sind Bewerbungsbriefe noch erwünscht? Oder „was chasch, was wotsch, und wieso bi eus?“

07. Februar 2012

„Schick mir nur die Lebensläufe und wenn’s hat, Fotos weiter. Die Zeugnisse hast DU ja geprüft, und im Begleitbrief steht sowieso immer dasselbe blabla“, sagte unlängst ein Linienvorgesetzter zu mir.

Dies sehen wohl nicht alle HR-Leute so! Ich jedenfalls lasse mich grade im Zeitalter der E-Mail Bewerbungen („Hallo. Attached erhalten Sie mein CV.“ – geht’s noch minimalistischer?) von einem guten Motivationsschreiben überzeugen, einen nicht so tollen Lebenslauf trotzdem zu berücksichtigen. Im Begleitbrief kann der Bewerber nämlich unter anderem darauf Bezug nehmen, weshalb sein Lebenslauf keinen Schönheitspreis verdient:

„Hard Facts“

  • Weshalb wurde die Ausbildung abgebrochen?
  • Grund für zahlreiche Stellenwechsel oder längere Unterbrüche?
  • Aktuelle Tätigkeit zusammenfassen, falls kein Zwischenzeugnis vorhanden
  • Wie gedenkt man eingerostete Sprachkenntnisse aufzufrischen?
  • Warum bewirbt man sich auf eine Sachbearbeiter-Stelle, obwohl man bei der aktuellen Firma eine Teamleader-Position inne hat?
  • Hat man Pläne, umzuziehen, falls man die Stelle bekommt? (ein Bewerber aus Chur, der sich mit einem unmotivierten Standardbrief in Zürich bewirbt, will wohl eher eine Absage für’s RAV als ein Vorstellungsgespräch erreichen)

„Soft Skills“

  • Was macht den Bewerber so flexibel, engagiert und resultatorientiert, wie es im Inserat gefordert wird?
  • Welche konkrete Erfahrung oder Begabung gibt dem Kandidaten auf Mitarbeiter-Level genug Selbstvertrauen, sich für eine Führungsrolle zu bewerben?

Ausserdem gibt das Bewerbungsschreiben Gelegenheit zu zeigen, warum man sich ernsthaft für die Firma und die ausgeschriebene Stelle interessiert:

  • Man kann sich mit der Firmenphilosophie oder den Produkten / Dienstleistungen identifizieren, weil…
  • Die Aufgaben scheinen die praktische Berufserfahrung und die kürzlich in der Weiterbildung erworbenen theoretischen Kenntnisse ideal zu vereinen.
  • Der Presse hat man entnommen, dass die Firma in Kürze einen weiteren Standort eröffnet, eine zusätzliche Produktelinie lanciert oder plant , sich für einen speziellen Gütesiegel zu lizenzieren; - bei diesem Aufbau will man sich engagieren!

Und schliesslich: warum soll man aus den 100 eingegangenen Bewerbungen vorselektioniert und für ein Interview eingeladen werden? Für Marketing-orientierte Kandidaten: what is your USP?

Verwandte Artikel