Accounting und Controlling

CFO-Interview: Unabhängigkeit von Endress+Hauser laut Luc Schultheiss wichtig – Eigenkapital im Fokus

15. Februar 2012

An der Börse notierte Unternehmen stehen oft im Rampenlicht. Dagegen ist das Baselbieter Familienunternehmen Endress+Hauser ein heimlicher Gigant. Die weltweit tätige Unternehmensgruppe erzielte 2010 mit mehr als 8’500 Mitarbeitenden einen Umsatz von über EUR 1.3 Mrd. Endress+Hauser ist einer der international führenden Anbieter von Messgeräten, Dienstleistungen und Lösungen für die industrielle Verfahrenstechnik. Luc Schultheiss ist per 1. Januar 2012 Finanzchef der Endress+Hauser Gruppe. Er hat AccountingundControlling.ch ein paar Fragen beantwortet.

Welche spezifische Aus- und Weiterbildung ist für die Rolle eines CFO unbedingt erforderlich?

Eine betriebswirtschaftliche Ausbildung mit Schwerpunkt im Finanz- und Rechnungswesen braucht es zweifellos. Hilfreich ist sicherlich auch eine Zusatzausbildung im Bereiche des Treasury-Managements.

Was sind die grössten Fehler, die man beim Führen einer Finanzabteilung machen kann?

Es wäre sicherlich falsch, in einer Innovations-getriebenen Unternehmung das Vermeiden von Kosten über alles andere zu stellen. Wir operieren in einer Wachstumsbranche. Wer sich weiter entwickeln will, muss auch den Mut haben zu investieren.

Welches sind von der zeitlichen Beanspruchung her Ihre drei wichtigsten Aufgaben bzw. Tätigkeiten?

Da ich meine neue Stelle eben erst angetreten habe, gilt es zuerst einmal, einen Überblick zu gewinnen. Gleich danach werden die letzten Weichenstellungen am Jahresabschluss anstehen. Zudem werde ich die Mitarbeit in verschiedenen strategischen Projekten angehen.

Welchen Anteil hat der Finanzchef (CFO) an der strategischen Gestaltung und Entwicklung des Unternehmens?

Im Rahmen der strategischen Planung der Unternehmung hat der Finanzchef die finanziellen Ziele der Unternehmung zu vertreten. Projekte sind aus dem Blickwinkel der Finanzierbarkeit und auf mögliche Risiken hin zu hinterfragen. Dabei hat das von der Finanzabteilung betreute Berichtswesen eine Doppelfunktion. Einerseits werden den an der strategischen Planung mitarbeitenden Führungskräften Basisinformationen für ihre Entscheide zur Verfügung gestellt. Andererseits gilt es, über das Berichtswesen die Erreichung der strategischen Ziele zu messen.

Als CFO sind Sie in viele Projekte involviert. Wie gehen Sie vor, um eine Verzettelung zu vermeiden?

Ich kann auf ein Team von gut ausgebildeten Spezialisten zurückgreifen. Entsprechend ist es nicht notwendig, in jedem Projekt mitarbeiten zu wollen. Über die periodischen Abstimmungen innerhalb des Teams kann man dennoch beim einen oder anderen Thema seinen Einfluss geltend machen. Wichtig ist, dass ich mich auf die Projekte konzentriere, welche einen wesentlichen Einfluss auf die finanzielle Lage des Unternehmens haben.

Was sind die grössten Herausforderungen an eine Finanzabteilung in einem sich immer schneller wandelnden Umfeld?

Der Wandel erfordert Flexibilität von der ganzen Organisation. Somit ist auch die Finanzabteilung gefordert, sich dem steten Wandel zu stellen. Konkret beinhaltet dies das Planen und Durchdenken der Zukunft in mehreren Dimensionen und verschiedenen Szenarien, die stetige Anpassung der Berichtssysteme an die neuen Anforderungen sowie die Reduktion des Detaillierungsgrades der Budgets.

Was sind aus Sicht der Finanzierung Eigenheiten in der Branche?

Aus Branchensicht ergeben sich keine Spezifika für die Finanzierung. Endress+Hauser ist aber ein Industriebetrieb in Familienbesitz. Da die Firmengruppe weiterhin eine Unabhängigkeit externen Finanzierungsquellen anstrebt, ergibt sich eine starke Betonung des Eigenkapitals. Dies wird klar durch die Eigentümer unterstützt, welche mit ihren Dividendenansprüchen sehr zurückhaltend sind.

In was haben Sie Ihr erstes selbstverdientes Geld investiert?

Die in jungen Jahren erwirtschaftete Taschengeldaufbesserung ging wohl direkt für Konsumausgaben weg. Danach wurde Geld für den Erwerb des Eigenheims gespart.

Wir danken Luc Schultheiss für das Interview.

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