Accounting und Controlling

IFRS 9 regelt die Bilanzierung von Finanzinstrumenten komplett neu

07. November 2011

Im Sommer 2009 hat das International Accounting Standard Board (IASB) damit begonnen, den IAS 39 durch den neuen Standard IFRS 9 für Finanzinstrumente zu ersetzen.

Der Projektplan des IASB ist in drei Phasen unterteilt:

  • Phase 1: Klassifizierung und Bewertung
  • Phase 2: Methoden zur Erfassung von Wertminderungen
  • Phase 3: Sicherungsgeschäfte (Hedge Accounting)

Im November 2009 hat das IASB bereits einen Teil des neuen Standards IFRS 9 Finanzinstrumente veröffentlicht. Danach ist die Anwendung von IFRS 9 für alle Geschäftsjahre verbindlich, die ab dem 1. Januar 2013 beginnen, sie ist aber bereits zu einem früheren Zeitpunkt erlaubt. Aufgrund eines aktuellen Vorschlags des IASB erwarten wir jedoch, dass der Zeitpunkt für die Erstanwendung auf den 1. Januar 2015 verschoben wird.

Die Phase 1 des IFRS 9 sieht bezüglich der Klassifizierung und Bewertung finanzieller Vermögenswerte nur noch zwei Kategorien vor: die Folgebewertung zum Fair Value (beizulegenden Zeitwert) oder zu Amortised Cost (fortgeführten Anschaffungskosten).

Festverzinsliche Vermögenswerte wie Obligationen können nur dann zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet werden, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen.

Eigenkapitalinstrumente wie Aktien sind grundsätzlich zum Fair Value zu bewerten. Es gibt jedoch das unwiderrufliche Wahlrecht, Fair-Value-Änderungen nicht in der Erfolgsrechnung, sondern erfolgsneutral im Eigenkapital (Other Comprehensive Income, OCI) zu erfassen.

Die neuen Regelungen des IFRS 9 für finanzielle Verbindlichkeiten wurden im Dezember 2010 veröffentlicht. Der Unterschied zu den heute geltenden Regelungen des IAS 39 besteht darin, dass die Fair Value Veränderungen, die auf die Änderung des eigenen Kreditrisikos zurückzuführen sind, zukünftig im OCI zu erfassen sind.

Im Rahmen der zweiten Phase des IFRS 9 hat das IASB den Entwurf «Finanzinstrumente: Fortgeführte Anschaffungskosten und Wertminderungen» im November 2009 veröffentlicht. Dieser Entwurf wurde im Januar 2011 durch ein Zusatzdokument ergänzt. Das derzeitige Incurred-Loss-Modell wird danach durch ein Expected-Loss-Modell abgelöst, so dass bereits erwartete Kreditausfälle berücksichtigt werden müssen. Die Ausgestaltung des endgültigen neuen Wertminderungsmodells wird weiter beim IASB diskutiert und soll bis zum Jahresende 2011 bekannt gegeben werden.

Als dritte Phase von Änderungen der Bilanzierung von Finanzinstrumenten hat das IASB im Dezember 2010 einen Entwurf bezüglich Hedge Accounting veröffentlicht. Ziel des IASB ist es, das Hedge Accounting mehr in Einklang mit den Risikomanagementstrategien der Unternehmen zu bringen. Dem IASB ist es aus unserer Sicht tatsächlich gelungen, gewisse Bereiche des Hedge Accounting zu vereinfachen. Dies betrifft vor allem den Verzicht auf den 80/125%-Wirksamkeitstest für Sicherungsgeschäfte sowie neu die Möglichkeit, Komponenten nicht finanzieller Posten abzusichern.

Der Entwurf berücksichtigt nur die Vorschriften zum allgemeinen Hedge Accounting. Die Veröffentlichung der endgültigen neuen Regelungen wird im 4. Quartal 2011 erwartet. Die vor allem für Banken relevante Absicherung von Portfolien wird erst in einem späteren Entwurf adressiert werden.

Fazit

Unternehmen, die ihre Jahresrechnung nach IFRS erstellen, sollten die Entwicklungen des IASB-Projektes aktiv verfolgen und die Auswirkungen auf die eigene Rechnungslegung rechtzeitig analysieren. Ob eine vorzeitige Anwendung des neuen IFRS 9 ratsam ist, hängt davon ab, welche Finanzinstrumente ein Unternehmen hält und welches Geschäftsmodell es zur Steuerung der Finanzinstrumente einsetzt. Solange das IASB-Projekt nicht abgeschlossen ist, haben die Unternehmen die Möglichkeit, die weitere Entwicklung zu beeinflussen.

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