Accounting und Controlling

Mobile Payment könnte vor Durchbruch stehen

03. Oktober 2011

Mobile Telefongeräte ermöglichen heute die Nutzung einer Fülle von Dienstleistungen.  Handys werden immer mehr zu Multifunktionsgeräten. Beispielsweise lassen sich seit einiger Zeit mit Handys auch Zahlungen erledigen. Doch bisher setzen nur wenige Kunden Handys für das Tätigen von Zahlungen ein. Neue Akteure auf dem Markt für mobile Dienstleistungen könnten dem Mobile Payment schon bald zum Durchbruch verhelfen.

Zwei Arten von Mobile Payment

Unter Mobile Payment sind Zahlungen zu verstehen, die mit einem Mobile Phone initialisiert werden. Dabei lassen sich zwei grundsätzliche Varianten unterscheiden. Beim Remote Mobile Payment wird die Zahlung über ein Telefonnetzwerk mit einem Gerät (Handy) initialisiert. Beispiele sind hierfür Shop-Apps, in denen mit einer Kreditkarte bezahlt werden kann, analog zum Zahlprozess in einem herkömmlichen Onlineshop im Web. Hierzu zählen auch Zahllösungen wie Mobile Buy, mit der ortsunabhängig per SMS beispielsweise ein Ticketkauf mit einer hinterlegten Kreditkarte getätigt werden kann.

Beim Proximity Mobile Payment wird die Zahlung vor Ort am Point of Sales zwischen zweit Geräten (Handy und Zahlterminal) initialisiert. Dabei findet die Technologie NFC (Near Field Communication) Anwendung, welche die Kommunikation zwischen den beiden Geräten ermöglicht. Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich insbesondere auf die zweite Variante.

Die verschiedenen Funktionen der eWallets

In Zusammenhang mit Mobile Payment spricht man oft von sogenannten eWallets. Dabei handelt es sich um Smartphone-Applikationen, die das herkömmliche Portemonnaie ersetzen sollen. In diesen eWallets können unterschiedliche Informationen hinterlegt werden, die dann am Point of Sales per NFC ans Zahlterminal übertragen werden. Die aktuelle Marktentwicklung zeigt, dass ein eWallet drei Funktionen abdecken sollte. Zahlen, Loyalty (Punkte sammeln), Gutscheine. Es sind aber weitere Funktionen wie Tickets oder Zutrittsberechtigungen denkbar. Das Handy wird damit endgültig zu einem Multifunktionsgerät.

Vom Lederportemonnaie zum eWallet

Ob das Handy das altbewährte Lederportemonnaie ersetzen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wesentlich dabei ist die Akzeptanz der Benutzer. Der Benutzer muss durch das Mobile Payment einen Mehrwert empfinden, sonst wird er es nicht einsetzen. Die Multifunktionsfähigkeit von eWallets (Zahlen, Loyalty, Couponing, Ticketing, etc.) kann hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten.

Des Weiteren muss die «Huhn-Ei-Problematik» gelöst werden, denn zuerst muss eine entsprechende Infrastruktur aufgebaut werden . Benötigt werden NFC-fähige Zahlterminals, die Handys müssen mit einem NFC-Chip ausgerüstet sein und die Kreditkartenherausgeber müssen die Technologie unterstützen. Die NFC-Technologie existiert bereits seit Jahren, nur hat bis jetzt keine der drei Parteien den ersten Schritt machen wollen, um mit der Verbreitung der Technologie zu beginnen.

Google mischt den Markt auf

Zurzeit scheint etwas Schwung in den Markt zu kommen, insbesondere nachdem Google sein eWallet vorgestellt hat. Es ist anzunehmen, dass im Jahr 2012 vermehrt NFC-fähige Terminals am Point of Sales anzutreffen sein werden und zusätzlich zum Nexus S 4G von Google weitere NFC-fähige Handys auf den Markt kommen. Bereits hat auch ein sogenannter War on Wallet begonnen. Hierbei handelt es sich um einen Kampf, welche Partei im Mobile Payment Ökosystem es schafft, ihr eigenes eWallet an die Kundschaft zu bringen. Der Herausgeber des eWallets hat die komfortable Situation, dass er auf mehreren Seiten Kundenbeziehungen aufbauen und festigen kann. Einerseits mit Serviceanbietern (Kartenherausgebern, Kundenprogrammbetreibern, Gutscheinemittenten, etc.), die ihre Dienstleistung im eWallet abgebildet sehen wollen, andererseits mit Händlern, welche die Funktionen an ihrem Point of Sales akzeptieren wollen. Hinzu kommen die Konsumenten, die das eWallet nutzen möchten.

Wer wird in der Schweiz das Rennen machen?

Es bleibt spannend, wer in der Schweiz das erste multifunktionale eWallet auf den Markt bringen wird. Mögliche Kandidaten sind einerseits die Telekommunikationsfirmen, die neue Einkommensquellen wittern, nachdem sie das Geschäft mit Mobile Spielen, Klingeltönen und Musik verschlafen und an Anbieter wie iTunes verloren haben. Den Markt aufmischen könnten aber auch Kartenherausgeber und Kartenorganisationen wie Visa und MasterCard, die ihr bestehendes Geschäft mit Kreditkarten sichern wollen. Zusätzliche Akteure, die die Zukunft via Mobile Payment bestimmen könnten, sind  Facebook oder PayPal. Beide machen Anstalten, aus dem Onlinebusiness in die physische Welt vorstossen zu wollen. Ich selbst bin gespannt, wie gross die Akzeptanz sein wird, mit Facebook Credits oder PayPal Guthaben beim Detailhändler via Handy zu bezahlen.

Was denkt Ihr? Werden wir unser Portemonnaie aus Leder gegen das Handy eintauschen? Werden wir weiterhin per Kredit- oder Debitkarte bezahlen oder mit Facebook Credits?

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