Die Finanzbranche ist im Wandel. Nicht nur verändert sich das Servicemodel der Banken laufend, auch die Gebührenstruktur scheint nach oben hin keine Grenzen zu kennen. Gemäss dem Landesindex der Konsumentenpreise vom Bundesamt für Statistik haben sich die Bankgebühren seit 2000 fast verdoppelt, wobei der gesamte Landesindex der Konsumentenpreise im Vergleich dazu nur moderat gestiegen ist.

Entwicklung der Bankgebühren seit 2000

Quelle: BfS

Wie rechtfertigt sich dieser Preisanstieg?

Da stellt sich schnell die Frage, wie sich die Bankenbranche von den üblichen abhebt, dass ein so immenser Preisanstieg gerechtfertigt wäre? Verliert der Kunde hierbei nicht die Rolle des „Königs“? Die Gebührenstruktur ist zweifelsohne direkt an die erbrachte Dienstleistung geknüpft. Sollte demnach die Veränderung der Gebührenstruktur in einem solchen Ausmass nicht auch automatisch eine Verbesserung des Services mit sich bringen?

Abwälzen der Negativzinsen

Das Sinken der Zinsen in den letzten Jahren bis in den Negativbereich hat dazu geführt, dass die von den Banken zu bezahlenden Negativzinsen wiederum auf die Kunden abgewälzt werden. Sei es in Form von höheren Gebühren oder Negativzinsen für vermögende Kunden.

Rückerstattung der Retrozessionen

Des Weiteren verzichtet der Kunde bei den meisten Finanzinstituten auf die Rückerstattung der Retrozession. Ob sich der Kunde dem bewusst ist oder nicht, sei dahin gestellt. 2013 war die Diskussion um die Retrozession ein kochender Topf, wobei es zu extrem vielen Beschwerden beim Ombudsmann kam. Diese sind zwar inzwischen stark zurückgegangen, jedoch weniger weil die Banken den Kunden entgegen gekommen sind, sondern mehr, weil der Kunde durch die bewusst gewählte Dokumentation der Kundengespräche am kürzeren Hebel gehalten wird. Auch nach der FIDLEG Verordnung ist es für Finanzinstitute noch möglich die Retrozession nicht zurückzuerstatten, solange es klar kommuniziert wird.

Imageschaden der Finanzkrise 2008 noch immer zu spüren

Die Finanzkrise 2008 hat zudem anhaltende Spuren hinterlassen, leiden doch die Banken noch immer unter dem Imageschaden. Es wäre zu erwarten, dass den Banken ihre Reputation seither heilig sein müsste. Nichtsdestotrotz, scheint im Gegenzug zu den eminent steigenden Gebühren kein wirklicher Mehrwert für den Kunden geschaffen zu werden. Es ist keine Überraschung, dass ein gewinnorientiertes Unternehmen den höchst möglichen Profit erzielen möchte. Trotzdem, sollte nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Zufriedenheit der Kunden die Basis für eine funktionierende und nachhaltige Geschäftsbeziehung ist. Auf den Leitzins haben die Banken wohl oder übel keinen direkten Einfluss, auf ihren Service jedoch schon.

Digitalisierung oder Standardisierung?

Mit der Digitalisierung und steigenden Regulierung erlebt der Kunde wohl eher eine Standardisierung des Beratungserlebnisses, als eine Individualisierung. Der Service wird vermehrt auf digitale Dienstleistungen beschränkt, das Beratungserlebnis immer mehr verdrängt und das, zu einem exorbitant höheren Preis als früher. Auch wenn der Umschwung auf Digital viele Vorteile mit sich bringt, gestaltet es sich eher schwierig, damit den Anstieg der Bankgebühren zu rechtfertigen. Die Effizienz mag durch erweiterte Möglichkeiten Geschäfte abzuwickeln gestiegen sein. Die Komplexität der heutigen Finanzthemen bedarf jedoch nicht nur Effizienz, sondern auch Fachwissen.

Fazit

Der Schweizer Finanzplatz bietet als einer der Global Player zahlreiche Experten. Ein mögliches Geschäftsmodell der Branche basiert auf der Spezialisierung auf die Kernkompetenz „Kundenberatung und führen der Kundenprojekte“ und der Kooperation mit den entsprechenden Experten ausserhalb der hauseigenen Kernkompetenz. Das klassische „One Stop Shop Konzept“ mit einer detaillierten Aufteilung der Wertschöpfungskette. So entsteht einerseits ein mehrwertschaffendes Beratungserlebnis, bei dem die einzelnen Teilgebiete wie Geldanlage, Eigenheimfinanzierung, Vorsorgesituation (3a und Pensionskasse) und die Steuern aufeinander abgestimmt werden, anderseits können die Kosten reduziert werden.
Auch in der Autobranche wurde bereits bewiesen, dass trotz Individualisierung Kosten gesenkt werden können. Wieso soll dies nicht auch in der Finanzbranche möglich sein?

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