Blockchain Schriftzug
Tokenisierung - die digitale (R)evolution (Symbolbild)

Wie werden wir in Zukunft leben und welche technologischen und grundsätzlichen Innovationen könnten unseren Alltag in den nächsten zehn Jahren verändern? Vor diesem Hintergrund beschäftigen wir uns am SIF unter anderem mit dem Thema der Tokenisierung.

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Früh am Morgen klingelt der „Smart Alarm“. Grund zur Freude, denn heute konnten Sie 20 Minuten länger schlafen. Anhand Ihres gestrigen Einschlafzeitpunkts und Ihres aktuellen Gesundheitszustandes, hat die Software eine optimale Schlafzeit berechnet und Sie aus dem Leichtschlaf geweckt und wütendes Hämmern auf Ihren Wecker gehört schon längstens der Vergangenheit an. Nun wird beispielsweise durch mein sanftes Aufwachen automatisch ein Micropayment an den WakeUp-Serviceprovider ausgelöst, oder diese Dienstleistung ist längst Teil eines umfassenden Leistungsangebots meines Entertainment-Providers wie sie heute Apple oder Android darstellen. Diese und andere individuellen und bedarfsgerechten Dienstleistungen wurden erst durch die Tokenisierung und Einführung von programmierbaren Währungsgegenständen möglich.

2030 - Die Einführung des programmierbaren Frankens

Wir befinden uns im Jahr 2030. Das zurückliegende Jahrzehnt hat beachtliche technologische Fortschritte hervorgebracht, die nicht nur im individuellen, sondern auch im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext zu zahlreichen Veränderungen geführt haben. Ob diese bezogen auf ein Individuum nun besser oder schlechter sind, bleibt Ansichtssache, jedoch hat die breite Masse den Grundsatz verstanden, dass uns solche kleinen Individualitäten denn Alltag erleichtern können. Mit dem Durchbruch der Distributed Ledger Technologie (DLT) gerne auch unter dem Begriff Blockchain allgemein zusammengefasst, hatte die Tokenisierung in vielen Gesellschaftsbereichen schnell Verbreitung gefunden. Ein grösseres, mit mehr Transparenz verbundenes Vertrauen in die Technologie hat zudem völlig neue Geschäftsmodelle in den unterschiedlichsten Sektoren entstehen lassen.

Eine besonders einschneidende Neuerung war die Einführung des programmierbaren Frankens. Basierend auf einer dezentralen Infrastruktur können mit dem tokenisierten Franken seitdem Zahlungen sofort final und mit marginalen Kosten abgewickelt werden. Erst dadurch können Micropayments in Höhe weniger Rappen ökonomisch sinnvoll abgerechnet werden. Die eigentlich bahnbrechende Eigenschaft des „DLT-Frankens“ ist jedoch die Möglichkeit der Verknüpfung mit sogenannten Smart Contracts - also Computerprotokollen, welche bei Eintritt eines vorher definierten Zustandes oder einer Bedingung automatisch bestimmte, selbstverständlich ebenfalls vereinbarte Vergütungen auslösen können. Dies geschieht nicht in jedem Fall in Form einer Zahlung, sondern kann durchaus auch eine sonstige Gegenleistung (Dienstleistung gegen Dienstleistung) repräsentieren. In Ihrem heutigen Fall jedoch war Ihr gemessener niedriger Blutzuckerwert als Indikator für Ihre geringe Müdigkeit jedoch Anlass für eine Zahlung in Rappenhöhe an den entsprechenden Provider.

Was bedeutet Tokenisierung?

Token stellen nicht-manipulierbare Positionen dar, welche bestimmten Inhabern zugeordnet werden können. Vereinfacht gesprochen, stehen Token stellvertretend für materielle Güter oder aber auch immaterielle Rechte. Um den Inhaber oder Halter eindeutig identifizieren zu können, werden zur Ver- und Entschlüsselung öffentliche oder private, kryptografische Schlüssel verwendet. Die Tokenisierung kann somit als digitaler Verbriefungsprozess von Gütern oder von Rechten auf dezentralen Transaktionsregistern verstanden werden. So können beispielsweise Immobilien, Cargo-Container oder Waren, aber auch Nutzungs- oder Lizenzrechte abgebildet werden.

Die Finanzwirtschaft ist besonders gefragt

Die Finanzwirtschaft, ist vom Wandel durch die Tokenisierung auf DLT besonders betroffen. Alles beginnt damit, dass die Tokenisierung für Banken und FinTechs als Custody-Provider und Versicherer von Kryptoassets - also digitalen Werten auf dezentralen Systemen - insbesondere für institutionelle Anleger, interessant sind. Das Thema gewinnt allerdings auch für private Anleger zunehmend an relevanz, denn so können je nach Lebenssituation für Privatpersonen Krypto-Sparpläne angelegt werden, zumal mein Bedarf auf Basis einer Echtzeit-Analyse fortwähren bestimmt und so entlang meines Alltags, Geld beiseitegelegt werden kann. Individuelle elektronische Brieftaschen (Wallets) bestehen aus einer Vielzahl von tokenisierten Assets: Aktien, Fondsanteilen, Unternehmensanleihen, Kunstwerke, Oldtimer und Häuser. Die digitale Verbriefung ermöglicht eine schnellere und kostengünstigere Zuteilung von Eigentumsrechten. Da die Halter dieser Rechte durch einen Algorithmus in einem dezentralen Hauptbuch geführt werden, entfallen viele ansonsten notwendige Intermediäre.

Token: Schnittstelle zur realen Welt

Ohne Schnittstelle zur realen Welt, ist auch die beste Technologie nutzlos. In der digitalen, dezentralen Welt wird ein Token etwa einer Walletadresse, also einer digitalen Brieftasche, zugeordnet und protokolliert. In der realen, analogen Welt muss dann aber sichergestellt sein, dass der Token tatsächlich dem richtigen Objekt und die Wallet tatsächlich einer identifizierbaren natürlichen oder rechtlichen Person zugeordnet ist. Da Finanzdienstleister langjährige Erfahrung mit Know-Your-Customer-Prüfungen (KYC) haben, erfolgt die Zuordnung einer Wallet zu Personen vornehmlich durch Banken oder entsprechend klassifizierten Partien. Walletprovider können diesen KYC-Service kostenpflichtig in Anspruch nehmen, falls die Kunden ihr Wallet nicht über eine Bank nutzen. Besonders in der Wirtschaft und der Industrie ist die zweifelsfreie Bestätigung der Identität von Unternehmen und die geprüfte Zugehörigkeit von Maschinen essenziell.

Fazit - Schöne neue Welt dank DLT?

Der griechische Philosoph Heraklit sagte einst, „das einzige Beständige ist der Wandel“. Disruptive Veränderungen mögen - wie immer schon - vielen Zeitgenossen als Gefahr erscheinen, sie bieten aber nicht nur Technik-Pionieren grosse Chancen, sondern der gesamten Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, die aber die Herausforderung, den Wandel zu gestalten, auch annehmen muss.

Autor/in
Kevin Schneebeli

Kevin Schneebeli

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Autor/in
Bernhard Koye

Prof. Dr. Bernhard Koye

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