Banking-1007-Banken im Wandel
Banken im Wandel zu "Banking as a Service" (Symbolbild)

In meiner letzten Blogreihe habe ich die Grundlagen von Open Banking und API Developer-Portale den Leserinnen und Lesern nähergebracht. Im aktuellen Blog befasse ich mich nun mit dem Thema „Banking as a Service (BaaS)“, was auch als Produktangebot bei der ndgit GmbH laufend ausgebaut wird. Mit BaaS bieten Banken den digitalen Partnern ihre Basisprodukte als Dienstleistung an. Dabei entstehen zusätzliche Vertriebskanäle sowie wird das Kundenspektrum im Markt erweitert.

Open Banking als zukünftiges Geschäftsfeld

Open Banking als zukünftiges Geschäftsfeld fordert von den Banken, sich strategisch zu positionieren. Die Vernetzung von Wertschöpfungsketten, das Aufkommen neuer digitaler Plattformen sowie FinTech-Lösungen bringt das Thema „Digitale Ökosysteme“ hervor. Ökosysteme werden vielfach als eine weitere Ausbaustufe von Open Banking in Zusammenhang mit Use-Cases bezeichnet. Der Weg dahin geht über die Standardisierung von Schnittstellen (sogenannte Open APIs), sodass Banken ihre Dienstleistungen an externe Partner anbieten können. Die kontrollierte Öffnung mittels Open APIs ist die Grundlage von BaaS. Es ist ein strategisches Geschäftsmodell, wodurch attraktive Ertragsquellen (via Monetarisierung der Dienstleistungen) entstehen können.

Bank-Dienstleistungen im Baukasten-Prinzip

Die Banken treten dabei in die Rolle eines Serviceanbieters, welcher wählbare Module aus seinen Basisfunktionen des Kerngeschäfts für FinTech-Partner zur Verfügung stellt. Die einzelnen Module werden wie Bausteine individuell oder in Kombination als Baukasten nach gewünschten Leistungsbereichen offeriert.

Im Retail Banking wären folgende Module als Service möglich:

Zahlungsfunktionen (inkl. PSD2 Payment Services) für Zahlungsdienstleister (TPP)

  • Spar-, Anlage- oder Kreditprodukte
  • Kreditkarten und Debitkarten Angebote
  • Budget-Planung und Analyse der Ausgaben (Personal Finance Management)
  • Liegenschaften-Bewertung und Kreditwürdigkeitsprüfung im Hypothekargeschäft

Im Private Banking wären weitere Module:

  • Portfolio Überprüfung (Health Check) auf eine bestimmte Anlagestrategie oder Investitionen (beispielsweise nachhaltige Analgen der Wertschriften)
  • Digitale Anlageberatung (Robo Advisor)
  • Standardisierte Schnittstellen-Funktionen auf das Wertschriftendepot (Custody Account) für externe Vermögensverwalter

Bezüger, also die Partner-Lösungen von solchen Dienstleistungen, erweitern den Vertriebskanal der Bank, welche in die Kategorie der digitalen Kundenschnittstellen (B2C) aber auch in den B2B-Geschäftsbereich fallen. B2C wird auch als "White-Label-Bankin" bezeichnet, da die Bankdienstleistung über das Markenprodukt des Partners (oder Nicht-Bank) an die Endkunden erbracht wird.

Compliance & Banklizenz

Damit Partner und Drittanbieter die Bankendienstleistungen in einem regulierten Finanzmarkt einsetzen können, stellen die Service-Banken mit dem BaaS-Vorgehen auch ihre Banklizenzen sowie Compliance- und Risikomanagement-Systeme zur Verfügung. Die Verwendung der Banklizenz deckt unter anderem die gesetzlich geforderte Einlagensicherung von "Girokonten der Drittanbieter" für Endkunden ab und erfüllt somit die Compliance-Richtlinien der Finanzmarktaufsicht.

Business-Architektur

Ein "Best Practice" Ansatz, um BaaS realisieren zu können, erfolgt mit der Verwendung einer API-Plattform eines Herstellers, wie folgende Grafik veranschaulicht:

BaaS
Business-Architektur von BaaS als Schaubild (Quelle: ndgit.com)

Die Merkmale der Business-Architektur für die API Management Plattform sind:

  • Nachdem die "FinTech Solutions" das "Onboarding" mit der Bank abgeschlossen haben, können sie via API-Requests auf die gewünschten Banking-Services zugreifen.
  • Dabei werden die Services via "API Catalogue" angeboten und umfasen eine Art Bibliothek von festgelegten Schnittstellen, welche genutzt werden können.
  • Der "API Gateway" beinhaltet die Security-Funktionen, um die FinTechs "geschützt" anzubinden sowie die APIs der Bank zu managen.
  • Via "API Orchestration" werden die Datenschnittstellen der Banksysteme gebündelt, so dass die Wiederverwendbarkeit für viele FinTechs gegeben ist.
  • Via "API Management Portal" werden die APIs erstellt, konfiguriert sowie Berechtigungen an deren Konsumenten vergeben.
  • "Developer Support & Sandbox" stellt die ganze Dokumentation der APIs für die FinTechs bereit und bietet einen umfangreiche Testumgebung (mit Testdaten) an.
  • Das Backend der Bank wird via "Middleware" Komponenten (IT-Architektur) mit der API-Plattform verbunden. Dabei sind Integrationsmöglichkeiten für Middleware-Lösungen; Event Streaming, Message Queuing oder Web-Services (SOAP, REST).

Fazit

In der Finanzdienstleistung entstehen mehr und mehr neue Lösungen von Drittanbietern (FinTechs), welche sich mit viel Innovation im Digital Banking gegenüber Endkunden positionieren. Mit BaaS als Geschäftsstrategie können Banken an diesem Wandel partizipieren. Wie im Baukasten-Prinzip sollen dabei genau die Module und Funktionen des Kerngeschäfts zur Verfügung gestellt werden, welche für das jeweilige Geschäftsmodell des FinTechs von Nutzen sein können. Die Bank profiliert sich dabei als Service-Dienstleister und generiert im Gegenzug neue Ertragsquellen oder erhält Zugang zu neuen Kunden- resp. Marktsegmenten. Durch eine API Management Plattform können FinTechs kontrolliert über Open APIs angebunden werden. Dabei wird die Anzahl der APIs tief gehalten, sodass diese für viele Drittanbieter wiederverwendbar sind.

In der Schweiz ist BaaS unter anderem bei der Hypothekarbank Lenzburg mit ihrem Ökosystem "Finstar" anzufinden. In Europa sind solarisBank, ClearBank, Railsbank und Starling Bank weitere Dienstleister von BaaS.


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