Banking nach der Corona-Krise
Banking nach der Corona-Krise (Symbolbild)

Die Corona-Krise verändert das Marktumfeld für Banken nachhaltig und die Phase der harten Beschränkungen wird erheblichen Einfluss auf die Erträge von Banken in diesem Jahr haben. Zudem werden sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auch in den nächsten Jahren niederschlagen.

Ertragspools im Neugeschäft mindestens 15 geringer

Analysen deuten aktuell darauf hin, dass die Ertragspools für Schweizer Banken auch in einem positiven Szenario das Niveau von 2019 frühestens im Jahr 2024 wieder erreichen werden. Die Ertragspools im Neugeschäft könnten in 2020 um 15-30 Prozent geringer ausfallen als vor Covid-19 erwartet.

Wettbewerbsdruck deutlich erhöht

Der Wettbewerbsdruck im Banking in der Schweiz wird sich dadurch weiter erhöhen. Dies gilt insbesondere für dieses Jahr, aber trotz der zu erwartenden Erholung auch für die kommenden Jahre.

Ursprüngliche Prognose - Stabilisierung

Für das Jahr 2020 wurden ursprünglich für den Schweizer Bankenplatz stabile Ertragspools prognostiziert. Dies wäre nach mehreren Jahren des vor allem durch das Niedrigzinsumfeld getriebenen Rückgangs der Ertragspools eine Fortsetzung der in 2019 begonnenen Stabilisierung gewesen. Aufgrund der Corona-Krise könnten diese Ertragspools jedoch deutlich sinken.

Je nach Szenario wird der Rückgang zunächst anhalten und dann in eine Phase der Stabilisierung beziehungsweise in Wachstum übergehen, sodass wir für das Jahr 2024 eine Normalisierung gemäss Prognose 2019 erwarten können.

Drei Szenarien für die Entwicklung der Ertragspools im Banking in der Schweiz

  1. Szenario „Schnelle Erholung“
  2. Szenario „Langsame Erholung“
  3. Szenario mit „Tiefere Auswirkungen“

Szenario 1: „Schnelle Erholung“

Im Szenario „Schnelle Erholung“ kann von einer nahe an V-förmigen Erholung des Bruttoinlandsproduktes ausgegangen werden. Die Arbeitslosigkeit würde nur temporär stark einbrechen und dann wieder das Vorkrisenniveau erreichen. Gleiches würde für Verbrauchervertrauen und internationalen Handel gelten.

In diesem Szenario würden die Erträge aller Produktkategorien im Jahr 2024 das vor Corona vorhergesagte Niveau ungefähr erreichen. Nur das Einlagengeschäft bliebe erheblich unter den alten Erwartungen, da eine Erholung der Zinsen zunächst ausbliebe.

Szenario 2: „Langsame Erholung“

Für das Szenario „Langsame Erholung“ kann von einer u-förmigen Erholung des BIP mit entsprechend langsamerer Erholung von Arbeitslosenraten und Verbrauchervertrauen gerechnet werden. Auch der internationale Handel würde sich erholen, wenn auch langsam.

Produktseitig würden in diesem Szenario zusätzlich vor allem auch die Ertragspools bei Konsumentenkrediten hinter den ursprünglichen Vorhersagen zurückbleiben. Durch die länger anhaltende wirtschaftliche Schwächephase leiden der Konsum und auch grössere Anschaffungen, was sich wiederum in rückläufigen Konsumentenkrediten niederschlägt.

Szenario 3: „Tiefere Auswirkungen“

Im negativen Szenario mit „Tieferen Auswirkungen“ ist anzunehmen, dass sich das BIP nur langsam entlang einer ausgedehnten u-förmigen Entwicklung erholen wird. Dies ginge einher mit langfristig steigender Arbeitslosigkeit und einem dauerhaften Einbruch des Verbrauchervertrauens. Der globale Handel erführe in diesem Szenario einen strukturellen Einbruch.

In diesem Szenario würden 2024 die Ertragspools aller Produktkategorien mit Ausnahme des Anlagegeschäfts unterhalb des ursprünglich erwarteten Niveaus liegen. Finanzierungen und Zahlungsverkehr wären dabei vergleichsweise stabil. Einlagenerträge würden wie in den anderen Szenarien deutlich zurück gehen. Längerfristig höhere Arbeitslosenzahlen würden darüber hinaus den Konsum und damit die Ratenkreditvolumina noch stärker als im Szenario einer langsamen Erholung reduzieren.

Implikationen für Banken

Der grösste Teil der jährlichen Erträge im Banking in der Schweiz resultiert aus Produkten und Kundenbeziehungen, die zu Beginn des jeweiligen Jahres bereits bestehen. Neugeschäfte hingegen, stammen zum grössten Teil aus Krediten. Konto und Zahlungsverkehr, Einlagen sowie das Anlagegeschäft machen jeweils nur einen kleinen Teil aus. Innerhalb der Kredite kommt ein gutes Drittel aus Baufinanzierungen.

Es ist aktuell noch nicht klar absehbar, wie sich die Corona-Krise auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und konkret auf das Banking auswirken wird. Die Implikationen werden jedoch massiv sein. Banken müssen ihre Digitalisierungsprogramme daher beschleunigen, um mit dem veränderten Kundenverhalten Schritt zu halten und dem weiter steigenden Kostendruck zu begegnen.

Der Wettbewerb um Neugeschäft wird sich zudem erhöhen und sich zunehmend auf zwei Ebenen abspielen: direkt an der Kundenschnittstelle und auf Produktebene. 

Autor/in
Kevin Schneebeli

Kevin Schneebeli

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Autor/in
Bernhard Koye

Prof. Dr. Bernhard Koye

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