Accounting und Controlling

Preisbildung bei M&A-Transaktionen (2/2)

29. März 2017

Im ersten Teil dieses Beitrags wurde der grundlegende Preisbildungsmechanismus bei Unternehmensverkäufen aufgezeigt. In diesem zweiten Teil werden nun weitere Faktoren und Trends aufgezeigt, welche das aktuelle Preisniveau beeinflussen.

Ein Dollar Noten

Neben den beschriebenen Mechanismen wirkt sich auch die gegenwärtige Marktsituation auf die Preisbildung in M&A-Transaktionen aus. Das anhaltend tiefe Zinsniveau, gute Ergebnisse und optimistische Erwartungen verschieben den strategischen Fokus von Unternehmen und führen zu einer hohen Nachfrage nach Akquisitionsobjekten. Diese stärkt die Verhandlungsmacht der Verkäufer und treibt so die Preise nach oben. Das tiefe Zinsniveau unterstützt diese Entwicklung, weil die Cashflows in einer DCF-Berechnung mit tieferen Sätzen diskontiert werden und die hohe Verfügbarkeit von günstigem Kapital die Finanzierung mancher Transaktionen überhaupt erst ermöglicht. Gute Resultate und optimistische Erwartungen tragen ebenfalls zu höheren Preisen bei. Aus Bewertungssicht widerspiegelt sich dies in optimistischeren Wachstums- und Margenannahmen im Businessplan. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die momentane Kombination von tiefen Zinsen und positiven Konjunkturerwartungen über den beschriebenen Preismechanismus zu hohen Preisen führt.

Empirische Daten

Diese theoretischen Überlegungen lassen sich auch empirisch stützen. Eine aktuelle Umfrage 1) zeigt, dass 70 Prozent der Umfrageteilnehmer die Verfügbarkeit von Fremdkapital als hoch einschätzen und 93 Prozent von einer stabilen bis positiven wirtschaftlichen Entwicklung ausgehen. Daher ist es auch wenig überraschend, dass 80 Prozent der Befragten für 2017 gleich hohe oder gar steigende Preismultiples für Unternehmen erwarten. Solange also das gute Zinsumfeld und die mehrheitlich positiven wirtschaftlichen Aussichten anhalten, werden auch weiterhin hohe Preise für Unternehmen bezahlt.  

Aktuelle Trends des M&A Marktes

Zusätzlich zu diesen Treibern lassen sich weitere aktuelle Trends beobachten, welche den M&A-Markt und dessen Preisstrukturen beeinflussen können. Erstens treten in letzter Zeit immer häufiger chinesische Käufer in Erscheinung. So wurden neben Syngenta unlängst mehrere Schweizer Firmen, wie z.B. Gategroup, SIGG, Swissport oder Infront, aber auch zahlreiche Schweizer KMUs, nach China verkauft. Ein zweiter wesentlicher Trend ist das Thema Digitalisierung. Da viele Firmen nicht über das interne Know-how verfügen, um mit den aktuellen technologischen Herausforderungen Schritt zu halten, greifen sie auf M&A als Werkzeug zurück, um sich dieses Wissen extern zu beschaffen. Wie die chinesischen Käufer stellen auch diese Firmen eine neue Käufergruppe dar, wodurch die Nachfrage gesteigert und damit die Preise am M&A-Markt angeheizt werden. Die Bedeutung dieser beiden Trends dürfte sich im Laufe des Jahres verstärken und zusätzlich auf die Unternehmenspreise einwirken.

Preisumfeld für Verkäufer und Käufer

Was bedeutet das aktuelle und zukünftige Preisumfeld für Verkäufer und Käufer? Die Ausgangslage für Verkäufer bleibt grundsätzlich gut, da nach wie vor attraktive Preise erzielt werden können. Für die Käufer präsentiert sich der aktuelle M&A-Markt etwas herausfordernder. Einzelne Objekte sind stark umkämpft, wodurch sich das Risiko erhöht, eine Akquisition zu überzahlen. Gleichzeitig will keiner das Feld für Akquisitionen einfach der Konkurrenz überlassen und damit riskieren, in der eigenen Entwicklung ins Hintertreffen zu geraten. Dieses Spannungsfeld macht es für potenzielle Käufer anspruchsvoll, die richtigen Entscheide zu treffen.

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 1) Vgl. Dr. Jürg Stucker & Dr. Daniel Spring, (2017). Oaklins Switzerland - M&A Outlook Schweiz 2017 (5. Ausgabe) http://www.oaklins.com/ch/de/read-article.html?article=oaklins-ma-outlook-schweiz-2017.

Thema: Accounting und Controlling

Autor: Dr. Daniel Spring

Datum: 29. März 2017

Schlagworte: Bewertung, Aktionäre, Anreizsysteme

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