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Interview: Rückblick zum zehnten Wirtschaftsforum
10. Wirtschaftsforum zum Thema «Fast & Slow»
Vom 29. bis 30. November 2010 fand das zehnte Wirtschaftsforum der
Kalaidos Fachhochschule statt. Über 500 Teilnehmende stellten sich aus
einer Auswahl von 16 Referaten ihr persönliches Forumsprogramm
zusammen. Veranstaltungsort war das Novotel Zürich City-West.
Experten aus den verschiedensten Tätigkeitsgebieten sprachen im Novotel
Zürich City-West zum Thema «Fast & Slow». Dabei wurde ein grosser
Bogen vom Hightech zum Hightouch geschlagen, vom schnellen Benchmarking
zur nachhaltigen Organisationsentwicklung, vom Meistern grosser
demografischer Herausforderungen bis hin zum Lösen zwischenmenschlicher
Probleme am Arbeitsplatz.
Caroline Odermatt hat drei Persönlichkeiten der Kalaidos Fachhochschule zu ihren Eindrücken vom Wirtschaftsforum befragt: Jürg Eggenberger, Rektor der Kalaidos Fachhochschule Wirtschaft, Prof.
Dr. Christian Fichter, Leiter Forschung und Entwicklung der Kalaidos
Fachhochschule, und Prof. Dr. Bernhard Koye, Leiter des Instituts
Finance & Banking an der Kalaidos Fachhochschule Wirtschaft.
Das Wirtschaftsforum stand unter dem Motto «Fast &
Slow». Herr Fichter, was wird in Zukunft tatsächlich schneller, und was
wird eher langsamer werden?
Fichter: Information wird schneller − Wissen
langsamer. In anderen Worten: Die Informationsflut wird noch zunehmen,
und wir stehen vor der grossen Herausforderung, daraus das Relevante
herauszufiltern und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ein Prozess, der
viel Zeit und auch Übung braucht. Insbesondere in unserer
Wissensgesellschaft ist es eine Schlüsselkompetenz, Information zu
verstehen, im Kontext zu sehen und die richtigen Schlussfolgerungen zu
ziehen. Sogar Top-Führungskräften fällt dies nicht einfach, wie es
einige von ihnen in ihren Referaten offen bekannt haben.
Herr Eggenberger, wie beurteilen Sie die Qualität dieses Forums im Vergleich zu früheren Veranstaltungen?
Eggenberger: Unsere Ansprüche an Vielfalt und Substanz
der Foren-Beiträge sind hoch. Wir wollen zum Nachdenken anregen.
Dazwischen braucht es sicher aber auch ein paar bekannte Namen, die
anlocken. Wir sind mit dem aktuellen Wirtschaftsforum sehr zufrieden.
Gleichzeitig ist eine kontinuierliche Verbesserung natürlich in unserem
Sinne. Die Referate passten dieses Mal zum Teil nicht hundertprozentig
zum übergeordneten Thema. Ich denke, da können wir noch zulegen.
Koye: Das sehe ich ähnlich. Durch die
Neupositionierung haben wir aber inhaltlich und organisatorisch an
Qualität gewonnen. So hat die Definition des übergeordneten Themas
«Fast & Slow» einen Orientierungsrahmen geschaffen, der von den
Studenten positiv aufgenommen wurde. Mit dem neuen Austragungsort wurde
es auch möglich, die Vorträge eher wie eine Konferenz zu gestalten. Für
diese weniger schulmässige Stimmung am Forum erhielten wir ein deutlich
positives Feedback.
Das Wirtschaftsforum folgte einer eigenen Struktur nach dem
Prinzip «vom Globalen ins Persönliche». Wie müssen wir uns diese
Struktur vorstellen?
Koye: Die Studenten der Fachhochschule sollen nach
ihrem Studium fähig sein, die entscheidenden Kompetenzen zu entwickeln,
um relevante gesellschaftliche und wirtschaftliche Trends in ihrem
Arbeitsumfeld erfolgreich zu meistern. Es geht dabei immer um die
Orientierungsfähigkeit (global) wie auch um die Umsetzung. Umsetzung in
dem Sinne, dass die Studenten die richtigen Entscheidungen treffen und
so mit der Herausforderung fertig werden.
Unsere Foren fassen daher
in vier Themenblöcken jeweils vier Referate zusammen. Der erste
Themenblock zeigt globale Trends auf, der zweite befasst sich mit dem
Transfer dieser Trends in die Unternehmen, der dritte Block stellt
Expertenmeinungen dazu in den Mittelpunkt. Der vierte und letzte Block
schliesslich versucht, das zuvor Gelernte auf die persönliche
Arbeitsebene zu bringen.
Das klingt nach einer sehr anspruchsvollen Aufgabe für die Programmverantwortlichen.
Das ist so, in der Tat. Allerdings ist diese Struktur eher als
Leitlinie zu verstehen, für uns und die Referierenden. Sie soll aber
keinesfalls ein einschränkendes Korsett sein.
Was war Ihr persönliches Highlight unter den Referaten?
Eggenberger: Spannend war sicher der Vortrag von
Daniel Sigrist von der FINMA, der einen faszinierenden Blick hinter die
Kulissen der Bankenaufsicht während der Wirtschaftskrise gab.
Für
mich war zudem Allan Guggenbühls Referat ein Höhepunkt. Er zeigte
eindrücklich auf, wie wir am Arbeitsplatz perfide Tricks subtil
anwenden, um hinter der Maske des Guten Aggressionen auszuleben.
Fichter: Auch mich hat Guggenbühl sehr überzeugt.
Daneben hat mich besonders Tony Nüschelers Vortrag gepackt. Ich hätte
nie erwartet, dass das Thema „Die Wiederentdeckung des Kunden:
Innovationen in der Lebensversicherungsbranche“ informativ und
spannend sein kann. Der positive Eindruck ist sicher darauf
zurückzuführen, dass der Referent ein guter Erzähler ist. Besonders
wertvoll fand ich auch das Referat von Markus Rege, der uns die
Vielfalt des Zoos als Unternehmung humorvoll und anschaulich
präsentierte.
Koye: Mich persönlich hat das Referat von Hanspeter
Hess, dem Direktor des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken, sehr
beindruckt. Er reflektierte die Finanzkrise aus der Optik der Schweizer
Wirtschaft und den Kantonalbanken − für die Studierenden eine einmalige
Chance. Auch Charlotte Gätz hat mich überzeugt. Mit ihrem Referat zum
Thema Nachhaltigkeit konnte sie klar aufzeigen, dass wirtschaftlicher
Erfolg und nachhaltig-partnerschaftlicher Umgang mit Ressourcen kein
Widerspruch, sondern sich ergänzende Faktoren sind, die in Zukunft noch
mehr an Bedeutung gewinnen werden.
Das Wirtschaftsforum ist Bestandteil der Studiengänge der
Kalaidos Fachhochschule. Meines Wissens einzigartig an Schweizer
Hochschulen. Was ist die Idee dahinter?
Eggenberger: Wir sind die Hochschule für Berufstätige.
Die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen aus der Praxis der
Wirtschaft und ihrem Umfeld ist für die Studierenden sehr wichtig. Es
geht auch darum, andere Standpunkte zu erkunden und mit eigenen
Meinungen zu vergleichen, die eigene Wahrnehmung zu schärfen und sich
zu vernetzen.
Wird das Wirtschaftsforum der Kalaidos Fachhochschule in
Zukunft auch gegenüber Aussenstehenden, die nicht an der Kalaidos
studieren, geöffnet?
Eggenberger: Es ist schon heute möglich, das Forum zu
besuchen, ohne an der Kalaidos Fachhochschule zu studieren. Aufgrund
der beschränkten Kapazitäten haben wir aber das Problem, dass die
einzelnen Referate schnell ausgebucht sind. Deshalb überlegen wir
zurzeit, ob ein neuer Austragungsort Sinn machen würde.
Meine Herren, ich danke für das interessante Gespräch!




